Ackerbau zwischen Düngeverordnung und Humuswirtschaft

Weizen Versuchsfeld für den Öko-Getreideanbau in Reichelsheim

Eine der diesjährigen Fachveranstaltungen der Modellregion Ökolandbau Wetterau widmet sich dem Thema „Nährstoffmanagement im ökologischen Landbau“. In Kooperation mit dem Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) sollen neben Fragen zur Düngeverordnung auch Aspekte der Humuswirtschaft im viehlosen Ökobetrieb beleuchtet werden. Um Ansätze und Möglichkeiten hierzu aufzuzeigen, lädt Kreisbeigeordneter und Landwirtschaftsdezernent Matthias Walther zur Online-Veranstaltung am Donnerstag, den 11. Februar ein.

Die Düngeverordnung wurde im Jahr 2017 grundlegend geändert, um sie an neue fachliche Erfordernisse zur Verbesserung der Düngewirksamkeit und zur Verringerung von Umweltbelastungen anzupassen. Bereits die Novelle der Düngeverordnung 2020 enthält für viele landwirtschaftliche Betriebe Veränderungen, die kurzfristig zu einem erheblichen Anpassungsbedarf bei der Bewirtschaftungsstrategie führen. Die festgelegten Maßnahmen sind seit dem 1. Mai 2020 rechtskräftig. Sandra Höbel vom Landesbetrieb Landwirtschaft Griesheim wird während der Veranstaltung auf die Novellierung der Düngeverordnung 2020 und die Ausweisung der roten und gelben Gebiete in Hessen, die zum 1. Januar 2021 in Kraft getreten ist, eingehen sowie die wesentlichen Aspekte für Ökobetriebe beleuchten.

Humuswirtschaft auf viehlosen Betrieb

Die zentrale Wetterau ist von jeher aufgrund der hervorragenden Böden - die zum Teil aus mehrere Meter dicken Lößschichten bestehen - sowohl in der konventionellen als auch in der ökologischen Landwirtschaft eine stark geprägte Ackerbauregion. Darüber hinaus zeichnete sich in den letzten Jahren auch der deutschlandweite Trend zur Spezialisierung und Intensivierung der viehlosen Acker- und Gemüsebaubetriebe im Wetteraukreis über den eigentlichen „Naturraum Wetterau“ hinaus auch bei Öko-Betrieben ab.

Um im Öko-Landbau einen stabilen Nährstoffgehalt im Boden auch ohne tierischen Wirtschaftsdünger zu gewährleisten, sind Leguminosen wie Klee und Luzerne ein entscheidender Baustein in der Fruchtfolge. Öko-Landwirten ist bekannt, dass diese beiden Leguminosearten die Kulturen mit der höchsten Stickstofffixierungsleistung und Humusreproduktion sind. Diese Vorteile kommen jedoch nur dann voll zum Tragen, wenn der Aufwuchs als Futter geschnitten und abgefahren wird. Einige viehlose Betriebe nehmen daher das Ackerfutter vermehrt aus der Fruchtfolgeplanung heraus, verzichten damit aber auf einen wichtigen Motor für Bodenfruchtbarkeit, Bodenleben, Stickstoffversorgung und Unkrautkontrolle.

„Daher ist es gerade für Betriebsleiter von viehlosen Öko-Betrieben wichtig, eine Übersicht zu haben, welche weiteren Möglichkeiten der Nährstoffversorgung bestehen und wo die Vor- und Nachteile der Verfahren liegen. Wesentlich dabei ist auch, mit welchen Kosten zu rechnen ist“, so Lukas Henkel vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, der einen Vortrag dazu halten wird.

Im Weiteren geht Johannes Weiß von der Naturland Öko-Beratungsgesellschaft mbH auf erste Ergebnisse aus dem Kompetenz- und Praxisforschungsnetzwerk NutriNet zur Weiterentwicklung des Nährstoffmanagements im ökologischen Landbau ein. In dem Projekt werden vorrangig Informationen zum Nährstoffmanagement und zur Praxisforschung im ökologischen Landbau gebündelt. Die anschließende Diskussion bietet Gelegenheit, konkrete Beispiele und Strategien zu beiden Vorträgen detaillierter zu erörtern.

Wertschöpfungsketten im Wetteraukreis

Die Online-Veranstaltung schließt mit einem Überblick zum Stand der regionalen Wertschöpfungskette „Dolle Knolle Wetterau“ im Rahmen des Projekts Modellregion Ökolandbau Wetterau ab. Das Vorhaben bietet die Möglichkeit, regionale Bio-Kartoffeln für die Außerhausverpflegung zu bündeln, zu schälen, nach Kundenwunsch zu schneiden und in Großgebinde-Einheiten zu vakuumieren. Hierfür steht eine Verarbeitungsanlage zur Verfügung und das Potenzial für weitere landwirtschaftliche Betriebe ist gegeben.

Die kostenfreie Online-Veranstaltung „Düngeverordnung 2020 und Nährstoffmanagement im Ökolandbau“ findet am Donnerstag, den 11. Februar um 19 Uhr statt. Anmeldung bei Sandra Höbel, LLH Griesheim,Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mail E-Mail.

veröffentlicht am: 09. Februar 2021