Ein Besuch in der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung Menschen-s-Kinder

Das Leitungsteam der verschiedenen Einrichtungen mit Beate Otte-Frank (Geschäftsführerin des Vereins Menschen-s-Kinder) und Erster Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch

Wie gelingt es, einen Ort für Kinder zu schaffen, so dass sie sich angenommen fühlen und ankommen können? Eine Heimat auf Zeit? Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch ging dieser Frage bei einem Besuch in der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung des Vereins Menschen-s-Kinder in Hirzenhain nach.

Der Begriff "stationäre Jugendhilfe" fasst alle Erziehungshilfen außerhalb des elterlichen Haushaltes "über Tag und Nacht" zusammen. Doch hinter diesem eher technischen Begriff stehen besondere Lebenssituationen von Kindern und Jugendlichen und eine intensivpädagogische Arbeit, bestehend aus einem verbindlichen Beziehungsangebot, verschiedenen pädagogischen Zugängen und einer verlässlichen Alltagsgestaltung.

Das alte Schulhaus von Hirzenhain ist heute eine vorübergehende Heimat für Kinder und Jugendliche. Neun Plätze stehen für die acht bis 21jährigen jungen Menschen zur Verfügung. In der kleinen Gemeinschaft wird gemeinsam gegessen und der Tagesablauf erfolgt nach festen Regeln, Zeiten und Ritualen.

 „Wir betreuen hier junge Menschen, die viel Unterstützung benötigen, um im Miteinander positive Erfahrungen zu machen. Sie leben oft in emotionalen Ausnahmezuständen, in denen sie ihren Gefühlen ausgeliefert sind“, erläutert Beate Otte-Frank, Geschäftsführerin des Vereins. „Liebevolle Zuwendung, das Vermitteln von Sicherheit und Geborgenheit ist eine unserer wichtigsten Aufgaben in unseren Einrichtungen, so wie hier in Hirzenhain.“

Mehrere Jahre leben die Kinder in der Einrichtung, in der Regeln zwei Jahre; in Einzelfällen aber auch bis zu zehn Jahren. Anfragen zur Aufnahme erreichen Beate Otte-Frank fast täglich, oftmals wird auch für kleinere Kinder im Vorschulalter angefragt.

„Im Jugendamt des Wetteraukreises müssen wir feststellen, dass es sich bei dem Hintergrund zu Sorgerechtsfällen sehr oft um die Erziehungsfähigkeit der Eltern dreht. Die Grundkompetenzen in Fragen der Erziehung fehlen und die Eltern sind sehr verunsichert“, so Stephanie Becker-Bösch. „Die steigende Tendenz der Sorgerechtsfälle beunruhigt mich sehr. Das Projekt von Menschen-s-Kinder, ein Präventionsprojekt für Eltern mit den Kindern gemeinsam zu initiieren, kann ich nur begrüßen. Die im Projekt verankerte familientherapeutische Begleitung, Gruppengespräche, aber auch Einzelberatungen können Familien helfen, die Grundlagen der Kindererziehung zu erlernen und zu erproben. Meist geht es darum, Grenzen zu setzen, Regeln einzuhalten und Zuwendung zu geben und das im richtigen Maß und zum richtigen Zeitpunkt.“

Drei Einrichtungen werden vom Verein Menschen-s-Kinder betrieben, in Hirzenhain liegt der Schwerpunkt der intensivpädagogischen Arbeit auf der Freizeitpädagogik. Zwei Freizeiten werden im Jahr durchgeführt. Im Sommer und im Herbst sind die Kinder mit den freizeitpädagogisch ausgebildeten Bezugsbetreuern und -betreuerinnen mit Zelten unterwegs. Beim Camping und Erkunden von Städten oder beim Kanufahren können die Kinder lernen, ein Selbstwertgefühl zu entwickeln. In der pädagogischen Arbeit im Alltag kann an dort Erlebtes, Erfolgserlebnisse, aber auch belastende Situationen angeknüpft werden. Das pädagogische Team ist die Basis der Begleitung der Kinder und Jugendlichen bei der Bewältigung der Alltagsanforderungen und ihrer konfliktreichen Auseinandersetzung mit Bedürfnissen, Ängsten und Erwartungen.

Die Kinderund Jugendlichen bilden mit den pädagogischen Bezugspersonen eine Lebensgemeinschaft auf Zeit, das Ziel der Intensivpädagogik ist immer die Rückkehr in die eigene Familie, sodass auch die Würdigung der Eltern und die Zusammenarbeit mit ihnen ein wichtiger Baustein sind.

 „Familien oder Alleinerziehende, die aus verschiedenen Gründen mit der Bewältigung ihrer Lebenssituation und in der Übernahme ihrer Erziehungsverantwortung überfordert sind, brauchen Hilfe und Unterstützung. Einige Projekte zur Stärkung von Familien habe ich bereits auf den Weg gebracht. Allerdings sind noch mehr finanzielle Mittel notwendig, um diese und weitere Angebote in der Wetterau fest zu installieren. Starke Eltern werden starke Kinder haben, Kinder die mit einem stabilen emotionalen und psychischen Gerüst versehen, ihren Weg gehen. In diesem Sinn sind Investitionen in Familien und Kinder eine wichtige Aufgabe unserer sozialen Gesellschaft“, so Becker-Bösch. „Doch uns allen muss klar sein, dass neben Beratungs- und Unterstützungsangeboten oder ambulanten Familienhilfen die Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen im Wetteraukreis immer ein wertvoller Baustein in der Sozialarchitektur sein wird und sein muss.“

veröffentlicht am: 23. November 2018