Kunst in Kirchen – „Jedes einzelne Teil ist ein Kunstwerk für sich“

Fünf Quadrate mit jeweils einfarbig bunten Steinen.

Das Steinmosaik.

Kunst in Kirchen in der Wetterau findet in diesem Jahr zum siebten Mal statt. Fünf Kirchen entlang der Bonifatius-Route werden über einen Zeitraum von fünf Wochen von Künstlerinnen und Künstlern zu Kunsträumen gestaltet. In der evangelischen Kirche in Florstadt-Staden werden fünf Schüler der Johann-Peter-Schäfer-Schule aus Friedberg ihr Kunstwerk ausstellen.

Der Beitrag von Noah, Mark, John, Arthur und Daniel ist ein Mosaik, das in den letzten Monaten entwickelt und realisiert worden ist. Es besteht aus insgesamt 25 Holzkästen, in denen farbige Steine angeordnet sind. Pro Rahmen haben die Steine immer eine Farbe. Es gibt also insgesamt 25 verschiedene Farben, erklären die Schüler, wobei die Farbpalette nicht nur einfaches Rot oder Gelb enthält, sondern phantastische Farbräume wie Schwimmbadblau, Milkafarben oder Apfelgrün.

„Jedes einzelne Teil ist ein Kunstwerk für sich“, sagen die jungen Leute. „Alle Teile zusammen ergeben ein großes Kunstwerk, so groß wie zwei Türen nebeneinander und ungefähr so schwer wie drei Menschen“, so beschreiben die fünf Jungs ihr Mosaik, an dem sie viele Monate gearbeitet haben. Die Teilnahme der Gruppe von Schülern mit dem Förderschwerpunkt Sehen der Schule soll in diesem Jahr auf ganz unterschiedliche Weise zum Hinschauen anregen und neben dem Erleben von Kunst und Begegnung dazu beitragen, Barrieren im zwischenmenschlichen Leben zu überwinden und inklusives Denken voranzubringen.

Besucherinnen und Besucher der evangelischen Kirche in Staden haben im wahrsten Sinne des Wortes Gelegenheit, Steine aus dem Weg zu räumen, denn bei der Arbeit handelt es sich um ein interaktives Projekt - die einzelnen Elemente dürfen und sollen beliebig im Kirchenraum bewegt und arrangiert werden.

Wir haben den Schülern der Johann-Peter-Schäfer-Schule und ihrer Lehrerin Gutta Döring einige Fragen gestellt:

Kunst in Kirchen ist ein in Deutschland einzigartiges und ungewöhnliches Projekt. Worin besteht der Reiz teilzunehmen?

Schüler: Kunst in Kirchen in der Wetterau bietet uns die Gelegenheit zur gesellschaftlichen Teilhabe und die Möglichkeit, die Schule in der Öffentlichkeit zu repräsentieren.

Gutta Döring: Für die Schüler steht sicherlich im Vordergrund, dass sie etwas ganz Besonderes machen, mit ihrem Kunstwerk aus der Schule herausgehen und Lob und Anerkennung bekommen.

Was reizt Künstlerinnen und Künstler, in einer Kirche auszustellen?

Gutta Döring: Für Blinde und sehbehinderte Menschen sind Kirchen aufgrund ihrer Größe, ihrer Akustik und der Architektur ganz besondere Räume.

Viele Schüler kennen Kirchen als positiv besetzte Orte: hier begegnen sie Menschen aus ihren Gemeinden, hier erleben sie häufig, dass sie dazugehören und akzeptiert sind, zum Beispiel im Konfirmandenunterricht. Mit Eurem Beitrag bezieht Ihr Position zum Thema „Hinschauen“. Seht Ihr darin ganz allgemein eine gesellschaftliche Relevanz?

Schüler: Mit unserem Kunstwerk möchten wir gesehen, wahrgenommen werden - die Besucher der Ausstellung sollen hinschauen – sowohl auf das Kunstwerk als auch auf uns.

Gutta Döring: Indem die Schüler dieses Kunstwerk präsentieren, ermöglichen sie einen Kontakt auf Augenhöhe zwischen Besuchern und Künstlern und eine Kommunikation, die weit über Sprache hinausgeht.

Eine Kirche ist der Ort, in dem man das Gespräch mit Gott sucht. Traditionelle Kirchenbilder erleichtern dieses Gespräch. Zeitgenössische Kunst kann da wie ein Fremdkörper wirken. Ist das so gewollt?

Schüler: Unser Kunstwerk soll für die Dauer der Ausstellung die Kirche in Staden positiv verändern und bereichern. Das Kunstwerk lädt durch seine Mobilität zur Interaktion mit den Besuchern ein – gewollt ist ein „Hinschauen“, „Anfassen“ und „Bewegen“.

Darf Kunst hier provozieren und anecken? Was darf Kunst überhaupt, was ist ihre Aufgabe?

Gutta Döring: Den Schülern war es wichtig, ein „schönes“ Kunstwerk zu gestalten, den Menschen eine Freude zu machen und mit den Farben Lebendigkeit, Verschiedenheit und Fröhlichkeit auszudrücken.

Welche Reaktionen erwartet Ihr von den Besucherinnen und Besuchern?

Wir freuen uns auf die Begegnungen und Gespräche mit den Besuchern!

veröffentlicht am: 16. September 2021