Landschaftspark und Naturschutzgebiet bei Staden

Der Wanderweg auf der Karte. (Quelle: GIS Wetteraukreis unter Verwendung von Daten ESRI OpenStreetMap)

In diesem Jahr findet das Kunstprojekt „Kunst in Kirchen in der Wetterau“ zum siebten Mal statt. Die evangelische Kirche in Florstadt-Staden ist der Kunstort, in dem die Johann Peter Schäfer Schule Friedberg, Schule für Sehbehinderte, ihren Beitrag ausstellt. Parallel zu den Ausstellungen werden Wanderungen veranstaltet, zu denen herzlich eingeladen wird.

Wer die aktuelle barrierefreie Wanderung in Begleitung und mit Führung durch die Kirche und das Naturschutzgebiet machen mochte, hat dazu am kommenden Sonntag, 19. September, 14 Uhr Gelegenheit.

Startpunkt ist an der evangelischen Kirche in Florstadt-Staden. Von dort aus geht es durch den Landschaftspark in Staden zum Naturschutzgebiet „Mähried von Staden“ und zurück.

Nach Besichtigung der Kirche die Parkstraße überqueren, um den oberen Eingang zum Schlosspark zu nehmen. Rechts der im Jahre 1746 begonnene Bau des Löw’schen Herrenhauses (1).

1872 beauftragte der Freiherr vom Stein zu Staden als damaliger Herr des Löw’schen Anwesens den in Muskau unter Fürst Pückler ausgebildeten Landschaftsgärtner Eduard Petzold (1815-1891) mit einer Überplanung des Parkgeländes. Petzold erneuerte das Wegenetz des Parks und schuf durch eine Vielzahl neuer Baum- und Gehölzgruppen ineinander übergehende Landschaftsräume. Im Jahre 1885 wurde der Park zum Gemeindebesitz. Das Schloss hat die Stadt Staden im Jahre 1904 übernommen und richtete dort zunächst eine Schule ein. Heute wird es als Bürgerhaus genutzt.

Die Grünfläche mit reichem Baumbestand ist gut erhalten und birgt mit 13 Naturdenkmalen (vier Stieleichen, drei Platanen und sechs Maulbeerbäumen) die größte Ansammlung von Naturdenkmalen im Wetteraukreis.

Die Wanderung führt durch den Park, wo nicht nur die bedeutenden Naturdenkmale, sondern auch prächtige Mammutbäume, Rosskastanien, Buchen, Linden und eine Vielzahl anderer Bäume zu bewundern sind.

Auf dem Wanderweg überqueren wir schließlich die Niddabrücke und sehen alsbald auf der rechten Seite eine Quelle: den Stadener Sauerbrunnen. Hier kann man eine kleine Pause einlegen, um einen Schluck des kohlensäurehaltigen Wassers zu kosten (2).

Zurück auf dem Asphaltweg dem Hessischen Radfernweg R 4 nach rechts folgen und dann nach wenigen Metern mit der Radwegeausschilderung „Leidhecken“ nach links. Kopfweiden säumen den Radweg.

Auf der linken Seite liegt das Naturschutzgebiet Mähried von Staden. Das rund 112 Hektar große Naturschutzgebiet ist vorwiegend durch Grünland geprägt. Wegen der vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten wurde das Mähried von Staden in das Europäische Schutzgebiet Natura 2000 aufgenommen (3).

1,5 Kilometer nach Beginn unserer Wanderung erreichen Sie eine Beobachtungsstation (4), wo vor allem in der Brutzeit, von März bis Juli, viele Vögel beobachtet werden können. Mit etwas Glück kann man hier den großen Brachvogel, den Kiebitz oder die Grauammer sehen. Wer sich mehr für Pflanzen interessiert, der wird hier den Wiesenknopf, die Wiesen-Flockenblume, das Wirtgen-Labkraut oder die Prachtnelke zu schätzen wissen. Die Beobachtungsstation ist ein schöner Ort, um eine längere Pause einzulegen.

Wer jetzt mag, läuft einfach auf dem Asphaltweg noch gut einen Kilometer weiter, um von hier noch einmal seinen Blick über die Auenlandschaft schweifen zu lassen (5). Ansonsten geht man den Weg zurück. Wir erreichen die Wegeverzweigung kurz vor dem Sauerbrunnen und folgen der Wegweisung nach links in Richtung Nidda-Dauernheim.

Hier Gelegenheit zu einer kleinen Exkursion zu einem besonders schönen Platz: Noch einmal dem Hessischen Radfernweg R 4 folgen, die Landesstraße überqueren und nach etwa 300 Metern nach rechts mit dem Hinweisschild „Niddawehr“.

Knapp 100 Meter geht es jetzt über einen Grasweg und einen schmalen Pfad zu einem lauschigen Platz: Das Wehr Staden (6) wurde im Rahmen einer umfangreichen Sanierungsmaßnahme umgebaut, um die Wanderung von Wassertieren in den Oberlauf des Flusses zu ermöglichen. Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten. Das Fluss aufwärts liegende Naturschutzgebiet Nachtweid von Dauernheim verzeichnet jetzt wieder Brutgebiete für Barbe, Elritze, Nase und Bitterling.

Zurück zur Landesstraße und hier links halten. Nach 200 Metern erreicht man den Ortseingang von Staden und das zweite Stadener Schloss, wo heute das Hotel-Restaurant Schloss Ysenburg seine Köstlichkeiten anbietet.

Ein Blick zurück über den Niddagraben zeigt die Stadener Seufzerbrücke. Woher der Name kommt, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Die erste Erklärung lautet, dass die überbaute Brücke einst ein herrschaftliches Lusthaus war. Die zweite Erklärung lautet, dass hier Verurteilte mit einem Seufzer auf ihrem Gang zum Kerker diese Brücke überquerten.

Heute verdankt Staden seinen Ruf als „Venedig der Wetterau“ diesem Bauwerk.

Jetzt sind es nur noch wenige Meter zum Ausgangspunkt.

  • Wegelänge: Mit Exkursion sechs Kilometer.
  • Höhenmeter: geringfügig
  • Reine Gehzeit: zwei Stunden ohne Verweilzeit an den Beobachtungsstationen
  • Start- und Zielpunkt: Evangelische Kirche in Staden bzw. der Schlosshof des Löw’schen Herrenhauses in Staden, Parkstraße.
  • Anfahrt: Autobahn A 66, Abfahrt Florstadt, Bundesstraße 275
  • Zu beachten: Fernglas mitbringen
  • Einkehrtipps: Schloss Ysenburg direkt am Ende der Tour
veröffentlicht am: 17. September 2021