Soziale Einrichtungen nicht alleine lassen

Drei Frauen halten Bänder in der Hand

Nadine Bauer, Geschäftsführerin des Vereins und Charlotte Junker übergeben zum „Tag des Kinderhospizes“ das grüne Band an Erste Kreisbeigeordneter Stephanie Becker-Bösch.

Seit 2006 findet jährlich am 10. Februar bundesweit der „Tag der Kinderhospizarbeit“ statt. Auf Einladung des Philip Julius Vereins in Bad Vilbel besuchte Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch die neuen Räumlichkeiten in Bad Vilbel und informierte sich über die aktuelle Arbeit.

In Deutschland leben etwa 40.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit einer lebensverkürzender Erkrankung.  Der heutige „Tag der Kinderhospizarbeit“ will auf ihre Situation und deren Familien aufmerksam machen.

In der Wetterau kümmert sich unter anderem der Verein Philip Julius e.V um Familien mit schwerstbehinderten Kindern. Als Teil eines flächendeckenden Netzwerkes an stationären Kinderhospizen und ambulanten Diensten, hat der Verein es sich zum Ziel gemacht, betroffene Familien zu beraten, zu begleiten, zu entlasten und ihnen Momente der Ruhe und des Glücks zu schenken.

„Normalerweise machen wir am 10. Februar mit Veranstaltungen und Aktionen auf uns aufmerksam. Pandemiebedingt geht das in diesem Jahr natürlich nicht. Dennoch soll auf die Situation betroffener Familien aufmerksam gemacht werden. Corona ist gerade für die lebensverkürzend erkrankten Kinder und Jugendlichen und ihre Familien eine besondere Herausforderung. Die Begleitung der Betroffenen findet seit fast einem Jahr unter ganz besonderen Vorzeichen statt“, erklärt Nadine Bauer, Geschäftsführerin des Vereins.

Wie sich die Pandemie im Allgemeinen auf die Arbeit ausgewirkt hat, erklärt Charlotte Junker im Gespräch: „Wir stellen fest, dass das vergangene Jahr für unsere Familien noch härter war, als alle Jahre zuvor. Die Pandemie hat alles auf den Kopf gestellt. Jegliche Hilfe ist für die Familien weggebrochen – von heute auf morgen. Einrichtungen haben geschlossen, es gab nicht genügend Pflegedienste, die aushelfen konnten. Das alles hinterlässt massive Spuren bei den Hilfsbedürftigen. Wir stellen fest, dass sich der Zustand vieler Kinder und Jugendlicher in den letzten Wochen und Monaten verschlechtert hat, weil sie nicht die Hilfe bekommen, die sie brauchen.“

Nicht verwunderlich, sagt die Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch: „In den vergangenen Monaten ist einiges weggebrochen. Beispielsweise allein durch das Schließen der Behindertenwerkstätten während es ersten Lockdowns. Ein Mensch, der eine Behinderung hat und einen gleichmäßigen Ablauf seines Tages braucht wurde  durch die Krise aus seiner Gleichmäßigkeit rausgerissen und fällt in ein tiefes Loch. Hier setzen unsere sozialen Einrichtungen an. Sie fungieren als Auffangnetz. Doch das geht nur, wenn sie auch entsprechende Unterstützung und Hilfe erhalten. Die staatlichen Hilfen sind hier aufgebraucht. Daher habe ich als Sozialdezernentin alles versucht, um auf Kreisebene entsprechende Maßnahmen umzusetzen, damit unsere sozialen Einrichtungen nicht wegbrechen. Gleichzeitig sind wir im Fachbereich Jugend und Soziales bereits in Gesprächen mit unseren Trägern um Angebote für die Zeit nach Corona aufzubauen. Das heißt konkret mehr Beratungsmöglichkeiten, mehr Kapazitäten aufbauen um in die Familien reinzugehen, damit die sozialen Folgen dieser Krise ein stückweit wieder aufgefangen werden können. Hier setze ich an.“

veröffentlicht am: 11. Februar 2021