Vorsicht darf Hilfsbereitschaft nicht verdrängen

Mann im Rollstuhl

Foto: Steve Buissinne, Pixabay

In Zeiten der Corona-Pandemie halten die Menschen Abstand und schützen sich mit Mund- und Nasen-Bedeckungen. Die Sorge um die eigene Gesundheit führt aber manchmal zu Situationen, die nicht zu akzeptieren sind.

So erlebte es Susanne Schmidt, Mitarbeiterin des Fachdienstes Controlling der Kreisverwaltung, vor einigen Tagen auf dem Weg von der Arbeit nach Hause: Ein älterer Mann war mitsamt seinem elektrischen Rollstuhl gestürzt, nachdem er eine Verkehrsinsel überfahren hatte und dabei das Gleichgewicht verlor. Seine Einkäufe purzelten auf die Fahrbahn. Der ältere Mann lag hilflos auf der Straße. Es bildete sich eine Schlange von mehreren Autos, die nicht weiterfahren konnte, aber niemand stieg aus, um zu helfen.

Susanne Schmidt kam als Letzte hinzu und schaltete die Warnblinkanlage ein. Ein Paketzusteller, der zur Unglücksstelle kam, folgte dem Beispiel. Mit Hilfe einer weiteren Fußgängerin haben sie den Mann wieder in den Rollstuhl zurückgesetzt und die Einkäufe auf der Straße eingesammelt, während die Fahrerinnen und Fahrer der wartenden Autos nur passiv in ihrem Auto warteten. Lediglich eine Frau öffnete ihr Fenster und warnte, den Mann nicht ohne Handschuhe anzufassen, er könne ja Corona haben.

„Aus vielen Beispielen, die mir immer wieder berichtet werden, weiß ich, wie groß die Hilfsbereitschaft bei den Menschen im Wetteraukreis ist. Solche Vorfälle, wie der hier geschilderte, sind sicherlich nur Einzelfälle, die aber gerade vor dem Hintergrund der Pandemie nicht zur Regel werden dürfen. Das vorbildliche Wirken von Susanne Schmidt, des Paketzustellers und der Passantin ist ausdrücklich positiv hervorzuheben. Dies sind Beispiele gelebter Solidarität und Mitmenschlichkeit in schwierigen Zeiten“, sagt Landrat Jan Weckler.

veröffentlicht am: 28. April 2020