Waffenscheine gibt es nur nach Prüfung

Eine von der Unteren Waffenbehörde eingezogene Waffe

In der vergangenen Woche hat im benachbarten Main-Kinzig-Kreis ein 55-jähriger Mann einen 26-Jährigen aus Eritrea mutmaßlich aus rassistischen Gründen niedergeschossen. Der Täter hat sich anschließend selbst gerichtet. Wie aber konnte ein Mensch mit solch radikalen Ansichten zu einer Waffe gelangen? Diese Frage stellen sich nicht nur die Ermittlungsbehörden.

„Zuständig für die Erteilung eines Kleinen Waffenscheins ist die Untere Waffenbehörde, die beim Fachdienst Ordnungsrecht der Kreisverwaltung angesiedelt ist. Rund 2.800 Männer (und eher weniger Frauen) haben den sogenannten „Kleinen Waffenschein“, der dazu berechtigt, sogenannte Gas- oder Schreckschusswaffen mitzuführen“, erläutert Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch als zuständige Dezernentin. Den „Kleinen Waffenschein“ erhalten allerdings nur Personen, die strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten sind, sprich, keinen Eintrag im Bundeszentralregister haben. Das prüft die Untere Waffenbehörde alle drei Jahre.

Große Waffenscheine, die auch das Führen von scharfen Waffen in der Öffentlichkeit erlauben, bekommen nur besonders gefährdete Personen. Derzeit gibt es niemanden im Wetteraukreis, der diese Bedingungen erfüllt und damit einen solchen Waffenschein besitzt.

Anders sieht es bei Jägern und Sportschützen aus. Diese haben für ihre Waffen eine Waffenbesitzkarte. Diese berechtigt nur zum Besitz der Waffe, nicht aber zum Mitführen in der Öffentlichkeit. Sportschützen müssen ihre Waffen auf dem Weg zum Schießstand immer ungeladen und in einem verschlossenen Behältnis transportieren. Anders sieht es bei den Jägern aus, die ihre Waffen zur Jagdausübung und auf dem Weg von und zur Jagd natürlich auch führen dürfen. Dazu berechtigt sie der Jagdschein. Auch hier gilt: Wer unzuverlässig ist, verliert den Jagdschein.

Kein Waffenschein für Reichsbürger

Waffenrechtliche Erlaubnisse und auch der Jagdschein werden entzogen, wenn der Betroffene unzuverlässig ist oder die persönliche Eignung nicht besitzt. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn die Person zu einer Freiheitsstrafe oder zu einer Geldstrafe von mindestens 60 Tagessätzen verurteilt wurde, Waffen oder Munition missbräuchlich oder leichtfertig verwendet wurden oder der Betroffene einem verbotenen Verein angehört. Auch eine Drogen- oder Alkoholabhängigkeit ist mit dem Besitz einer Waffe nicht vereinbar.

Auch die sogenannten Reichsbürger zählen zu diesem „unzuverlässigen Personenkreis“. Reichsbürgern wurde in der Vergangenheit mehrfach die waffenrechtliche Erlaubnis entzogen. Die gängige Rechtsprechung geht davon aus, dass von Personen, die die Existenz der Bundesrepublik Deutschland verneinen, auch zu erwarten ist, dass sich diese Personen nicht an die (waffen-)gesetzlichen Regelungen halten.

Der Schütze von Wächtersbach war in der Vergangenheit nicht für Straftaten oder andere Delikte auffällig geworden, so dass hier der Entzug der waffenrechtlichen Erlaubnis nicht greifen konnte. „Das ist in diesem Fall besonders tragisch, und man muss darüber nachdenken, wie solche Fälle künftig verhindert werden können“, so Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch.

veröffentlicht am: 02. August 2019