Wertschätzung für gesellschaftliche Vorbilder

Eine Gruppe Männer und Frauen. In der vorderen Reihe halten ein Mann und eine Frau eine Urkunde in cden Händen. Im Hintergrund das Wappen des Wetteraukreises

Große Freude über die Auszeichnung mit dem Wetterauer Sozialpreis bei den Mitgliedern des Arbeitskreises Demenz e.V. Erste Reihe, von links: Landrat Jan Weckler, Franz Hagenmaier, Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch, Christina Keller. Zweite Reihe, links: Kreistagsvorsitzender Armin Häuser.

In einer Feierstunde wurde derWetterauer Sozialpreis 2019 an den Arbeitskreis Demenz e.V. verliehen. Der Preis ist mit 2.000 Euro dotiert. Mit einer Belobigung wurde das ehrenamtliche Engagement von Franz Hagenmaier gewürdigt. Er ist Gründer der ersten hessischen Selbsthilfegruppe zum Thema Blasenkrebs und Organisator aller damit befassten Selbsthilfegruppen in Hessen.Blasenkrebs.

Demenz ist eine heimtückische und schleichende Krankheit. „In den nächsten zehn Jahren wird sich die Zahl der Erkrankungen verdoppeln, ein Umstand, der auch mit der gestiegenen Lebenserwartung der Menschen zu tun hat“, sagte Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch. „Gerade deshalb ist das Wirken des Arbeitskreises Demenz e.V. für Betroffene und Angehörige so wichtig.“ Aus kleinen Anfängen hat er heute über 100 Mitglieder, hält viele regelmäßige Informations- und Fortbildungsveranstaltungen ab, baut Ängste ab, berät und unterstützt Angehörige.

Den Preis und die mit 500 Euro dotierte Belobigung übergaben Landrat Jan Weckler und Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch. „Der Sozialpreis des Wetteraukreises hat zwei Funktionen. Zum einen honorieren wir die Leistung derer, die sich für andere einsetzen. Zum anderen bringt der Preis den Vorbildcharakter zum Ausdruck und die Hoffnung auf Nachahmer“, sagte Landrat Jan Weckler.

Wer hätte das gedacht?

Christina Keller, Vorsitzende des Arbeitskreises Demenz e.V. gab im Gespräch mit Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch einen Rückblick auf die Anfänge des Arbeitskreises. Ende 2007 saß eine Handvoll Menschen im Sitzungszimmer der Gemeinde Altenstadt zusammen und überlegte, wie die Krankheit Demenz mehr in das Bewusstsein der Gesellschaft gebracht werden könnte: „Wer hätte damals gedacht, dass wir heute hier im Plenarsaal sitzen und diese Auszeichnung bekommen, dass es uns ein Stück weit gelungen ist, das Thema Demenz ‚salonfähig‘ zu machen.“

Die Bedeutung niedrigschwelliger Betreuungsangebote für demenzkranke Menschen war von Beginn an klar. So entstand in Altenstadt eine Betreuungsgruppe, ehrenamtliche Helfer wurden ausgebildet und im September 2008 gab es eine öffentliche Informationsveranstaltung. Ein Jahr später gehörten dem Arbeitskreis 28 Mitstreiterinnen und Mitstreiter von sozialen Institutionen und Einrichtungen, Kommunen und Kirchen, Ärzte und Ehrenamtliche an. Die erste große Informationsmesse in Florstadt war erfolgreich und wird seitdem alle zwei Jahre durchgeführt. 2014 kam das Demenzkino dazu, von Butzbach bis Ortenberg wurden Filme zum Thema Demenz gezeigt und das Gesehene im Anschluss daran mit Information ergänzt.

32.000 SOS-Rettungsdosen

2016 war das Jahr der Vereinsgründung, nun konnten auch Gelder eingenommen und verwaltet werden. Ende 2015 spendete die Sparkassenstiftung „Gut für Oberhessen“ 4.500 Euro. 1.500 SOS-Rettungsdosen wurden davon angeschafft und bei Veranstaltungen verteilt. Die Sparkasse orderte für ihre Filialen über den Verein 5.000 Dosen. Bis heute hat der Verein 32.000 Dosen bestellt und verteilt.

Nächste Idee: Die Arbeit, die pflegende Angehörige zu Hause leisten zu honorieren und wertzuschätzen, sie für einen Tag zu entlasten. Die Idee zum Wellnesstag für pflegende Angehörige in Bad Salzhausen war geboren. Ein schönes Programm wurde auf die Beine gestellt und alle waren so begeistert und dankbar für diesen freien Tag, dass es noch danach Anrufe und kleine Karten gab, die die Dankbarkeit und Freude ausdrückten. Seit 2016 gibt es den Wellnesstag in Bad Salzhausen jedes Jahr, nun erstmals ausgeweitet auf einen Tag Auszeit in Bad Vilbel.

Nächstes Ziel ist eine Homepage und im Februar startet für Menschen mit und ohne Einschränkungen das Projekt: „Darf ich bitten? Wir tanzen wieder“. Denn Menschen mit einer Demenzerkrankung blühen bei Tanz und Musik oft richtig auf und erinnern sich an alte Musikstücke, weiß Christina Keller.

Belobigung für Franz Hagenmaier

Bei dem obligatorischen „Gespräch auf dem schwarzen Sofa“ erzählte Franz Hagenmaier Sozialdezernentin Becker-Bösch seinen Weg zur Gründung einer Selbsthilfegruppe. Franz Hagenmaier war 2004 an Blasenkrebs erkrankt. Als nach zwei Jahren der Krebs erneut ausbrach, bot man ihm in der Uniklinik die Teilnahme an einer Therapiestudie an. Mit Erfolg. „Der behandelnde Arzt sprach mich auf die Gründung einer Selbsthilfegruppe an und so begann ich damit zunächst über das Internet, später kam es zur ersten ‚körperlichen‘ Selbsthilfegruppe.“ Bis heute hat er in Hessen zehn weitere Selbsthilfegruppen aufgebaut, die er als Landesbeauftragter des Selbsthilfebundes Blasenkrebs intensiv betreut und koordiniert. Inzwischen liegt in seinen Händen nicht nur die komplette Organisation der Selbsthilfegruppen Hessen, auch im Ärztebereich ist er als kompetenter Ansprechpartner und als Autor rund um das medizinische Thema Blasenkrebs bekannt.

veröffentlicht am: 06. Dezember 2019