Wetterauer Impfzentrum wird in Büdingen eingerichtet

Ampullen

Foto: Ulrike Leone from Pixabay

Bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie gibt es erste Durchbrüche. Drei Impfstoffe stehen vor der Zulassung. Ab Mitte Dezember könnten die ersten Impfungen durchgeführt werden. „Dazu wird auch im Wetteraukreis ein zentrales Impfzentrum eingerichtet. Ein leerstehender Baumarkt in Büdingen hat sich in der Kürze der Zeit als bester Standort herausgestellt“, bestätigt Landrat Jan Weckler.

Der Einsatzbefehl aus dem Hessischen Innenministerium kam am Montag der vergangenen Woche (23. November). Binnen fünf Tagen sollte der Wetteraukreis eine geeignete Immobilie finden und vertraglich sichern, lautete die Vorgabe. „Es gibt nicht viele solcher Immobilien im Kreisgebiet, zumal wir ja auch kein ausgewiesener Messestandort sind“, sagt Landrat Weckler. Außerdem muss das Objekt auch sofort verfügbar und bezahlbar sein. Sport- und Kulturhallen oder Bürgerhäuser sind von der Größe her nicht immer ausreichend, außerdem hätte es zur Folge, dass bei Lockerungen der Corona-Maßnahmen die Hallen über viele Monate für Veranstaltungen jedweder Art unzugänglich wären. In Büdingen wurde man schließlich fündig, hier steht ein ehemaliger Baumarkt leer. Die Immobilie ist mit vertretbarem Aufwand kurzfristig zu einem Impfzentrum ausbaubar, für die Ausstattung sorgt ein Eventausstatter aus dem Kreisgebiet. Auch die Parksituation spricht für den Standort: Hier gibt es ausreichend Parkplätze für die rund 1.000 Menschen, die täglich geimpft werden sollen. Die Lage am Stadtrand sichert zudem eine zügige An- und Abfahrt.

Mammutaufgabe für das Gesundheitsamt

Innerhalb kürzester Zeit sollen im Wetteraukreis dann rund 200.000 Menschen gegen COVID-19 geimpft werden können. „Das zu bewerkstelligen, ist auch eine logistische und organisatorische Herausforderung. Wir sind jetzt dabei, die notwendige Infrastruktur zu schaffen“, bestätigt Landrat Jan Weckler, der auch der oberste Katastrophenschützer im Kreis ist.

Die Gesamtverantwortung für die Durchführung der Impfung liegt beim Fachbereich Gesundheit, Veterinärwesen und Bevölkerungsschutz des Wetteraukreises (kurz: Gesundheitsamt). Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Stephanie Becker-Bösch teilt mit, dass es neben dem Standort eines Impfzentrums auch mobile Teams geben wird, die vulnerable Gruppen impfen, etwa in Senioren- und Pflegeheimen. „Die Voraussetzungen dafür werden geschaffen sein, wenn der Impfstoff zur Verfügung steht“, so Becker-Bösch.

Geimpft werden sollen etwa 1.000 Personen pro Tag an sieben Tagen in der Woche. Weil zwei Impfungen für einen vollständigen Impfschutz notwendig sind, müssen bei derzeit geplanten 200.000 Wetterauerinnen und Wetterauern insgesamt 400.000 Impfungen vorgenommen werden. Das kann sich über viele Monate hinziehen. Allerdings wird sich die Situation allein deshalb entspannen, weil die vulnerablen Gruppen frühzeitig geimpft werden sollen. Fachleute gehen davon aus, dass es dann nicht mehr zu stärkeren Einschränkungen kommen muss. Mit der Zulassung weiterer Impfstoffe, auch solcher, die keine extreme Kühlung benötigen, werden die Impfungen vermehrt auch in den lokalen Arztpraxen vorgenommen werden können.

Hausärzte werden eingebunden

Der Schritt zur Impfung beginnt mit der Impfaufforderung und einer Vorabinformation. „Wir setzen dabei auf die niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzte, die ihre Patientinnen und Patienten gut kennen, sie beraten und eine entsprechende Empfehlung für die Impfung aussprechen“, so Amtsarzt Dr. Merbs. Zum vereinbarten Termin kommt man zum Impfzentrum, dort erfolgen die Anmeldung und die Prüfung der Impfberechtigung. Nach einer weiteren Aufklärung zur Impfung und der Prüfung der Indikation erfolgt die Impfung selbst. Danach muss man in einem Warte- bzw. Ruhebereich mögliche Reaktionen auf die Impfung abwarten. Bei einem Check-out wird die Impfung dokumentiert und es erfolgt die Abmeldung. Nach drei Wochen wiederholt sich das Procedere für die zweite Impfdosis.

Wer wird als erster geimpft?

Zu Beginn werden vermutlich nicht ausreichend Impfdosen zur Verfügung stehen, deshalb ist es notwendig, eine Reihenfolge der Menschen festzulegen, die zuerst geimpft werden. Dazu gibt es eine Empfehlung des Ethikrates, der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut und der Leopoldina, der Nationalen Akademie der Wissenschaften. Die Priorisierung erfolgt dabei nach medizinischen, ethischen und rechtlichen Prinzipien. Zu den Impfzielen zählen die Verhinderung schwerer Verläufe mit Todesfällen, der Schutz der Personen mit besonders hohem arbeitsbedingten Risiko, die Verhinderung der Verbreitung und der Schutz der Umgebung mit hohem Anteil an vulnerablen Personen sowie die Aufrechterhaltung staatlicher Funktionen und des öffentlichen Lebens.

Alte und Kranke zuerst

Die erste Gruppe, die geimpft wird, sind alte Menschen und solche, die durch Vorerkrankungen ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf bei einer Infektion haben. Die zweite Gruppe sind die Menschen, die den an COVID-19 Erkrankten beistehen und dadurch selbst ein erhöhtes Risiko tragen.

Darüber hinaus sind Personen zu schützen, die für das Gemeinwesen besonders relevante Funktionen erfüllen und die nicht ohne Probleme ersetzbar sind. Das sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gesundheitsämter, der Polizei und der Sicherheitsbehörden, der Feuerwehr, aber auch pädagogische Fachkräfte.

Sobald ausreichende Impfstoffmengen zur Verfügung stehen, wird angestrebt, die Impfaktivitäten in das Regelsystem übergehen zu lassen und die Impfungen durch die Hausarztpraxen durchführen zu lassen.

Landrat Jan Weckler und Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch danken allen Beteiligten aus dem Gesundheitsamt und dem Katastrophenschutz für die engagierte und professionelle Umsetzung des Einsatzbefehls: „Wir können auf bewährte und eingeübte Strukturen zurückgreifen. Neben der Kontaktnachverfolgung, die derzeit schon rund 80 Kräfte in der Verwaltung bindet, kommt jetzt ein weiteres Mammutprojekt hinzu. Ein solches Projekt binnen weniger Tage auf die Beine zu stellen, das ist schon eine ganz besonders herausragende Leistung, die uns auch in den nächsten Monaten noch viel abfordern wird.“

veröffentlicht am: 30. November 2020