Energieverbrauch seit 1990 um 40 Prozent gesenkt

Unser Bild zeigt Landrat Joachim Arnold und Ersten Kreisbeigeordneten und Umweltdezernenten Helmut Betschel zusammen mit Stefanie Voß und Jens Dölling, die den Klima-schutzbericht erstellt haben.

Der Klimawandel ist bei der aktuellen Flüchtlingsdiskussion etwas aus dem Fokus geraten. Dabei hat die Bewahrung unserer natürlichen Umwelt allerhöchste Priorität.

Dem Klimawandel begegnen kann man insbesondere durch die Vermeidung von Energie, die klimaschädlich erzeugt wurde. Da kann der Wetteraukreis einiges vorweisen. Seit 1990 konnte der Gesamtenergieverbrauch (Strom und Wärme zusammen) aller kreiseigenen Liegenschaften um rund 40 Prozent gesenkt werden. Das ist eine der Kernaussagen des Klimaschutzberichtes für das Jahr 2014, den Landrat Joachim Arnold und Erster Kreisbeigeordneter Helmut Betschel jetzt vorgelegt haben.

Der Klimaschutzbericht präsentiert aber nicht nur die Zahlen der kreiseigenen Gebäude, sondern gibt auch einen Überblick über erneuerbare Energien in der Wetterau und gibt einen Überblick über den Stand der Zielerreichung bei den vom Kreistag beschlossenen Klimaschutzzielen. Wie Strom erzeugt wird, darüber geben die Daten des Stromträgersmix Auskunft. In Deutschland steht an erster Stelle noch immer die Kohle mit 46,4 Prozent (Wetterau 37,5 Prozent), gefolgt von erneuerbaren Energien 21,9 Prozent (Wetterau 31,8 Prozent), der Kernenergie 16,6 Prozent (Wetterau 15,9 Prozent), Erdgas 8,1 Prozent (Wetterau 3,8 Prozent), sonstige erneuerbare Energien 4,0 Prozent (Wetterau 9,4 Prozent), sonstige fossile Energieträger 3,90 Prozent (Wetterau 1,6 Prozent).

„Insgesamt liegen wir bei den erneuerbaren Energien, die nach dem EEG  (Erneuerbare Energien Gesetz) gefördert werden, und den sonstigen erneuerbaren Energien bei einem Anteil von mittlerweile mehr als 40 Prozent gegenüber 26 Prozent im Bundesvergleich. Das ist ein hervorragender Wert“, finden Arnold und Betschel.

Biomasse und Solarstrom vor Wind und Wasser

Zu den erneuerbaren Energien tragen in erster Linie die 29 Biomasseanlagen in der Wetterau bei. Sie haben im vergangenen Jahr 49,6 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt und können damit rund 22.500 Zwei-Personenhaushalte mit Strom versorgen. An zweiter Stelle der erneuerbaren Energien stehen knapp dahinter die Solaranlagen. Davon gibt es in der Wetterau mittlerweile 3.742, die im vergangenen Jahr 48,6 Millionen Kilowattstunden ins Netz eingespeist haben und damit rein rechnerisch 22.100 Haushalte mit Strom versorgen konnten. An dritter Stelle stehen die 13 Windkraftanlagen mit einer Stromeinspeisung von 33,9 Millionen Kilowattstunden (=15.400 Haushalte). Schließlich gibt es noch sechs Wasserkraftanlagen mit einer Energieeinspeisung von rund 2,7 Millionen Kilowattstunden, mit denen mehr als 1.200 Zwei- Personenhaushalte mit Strom versorgt werden könnten.

Zwischenschritt auf dem Weg zur Erreichung der Klimaschutzziele

15 Klimaschutzziele hat sich der Kreistag gesetzt. Mit einem Ampelsystem sollen die Leserinnen und Leser des Klimaschutzberichtes auf den ersten Blick sehen, wie weit man mit der Zielerreichung ist. Erreicht wurde beispielsweise, dass für die kreiseigenen Gebäude Wärmeschutznachweise nach der jeweils gültigen Energiesparverordnung erstellt wurden. Genauso grün heißt es für das Klimaschutzziel drei:

„Alle neuen eigenständigen kreiseigenen Gebäude werden geplant und gebaut mit der Zielsetzung, Passivhausstandard zu erreichen. Grün gilt auch für die anstehende Heizungsmodernisierung, die auf den Einsatz biogener Brennstoffe geprüft werden soll oder die Forderung aller im Einflussbereich des Wetteraukreises stehenden Blockheizkraftwerke mit Biogas primär aus regionaler Erzeugung zu versorgen. Auch der Energiebericht mit jährlichen Verbrauchsdaten und Mengenstruktur wird seit 2007 regelmäßig erstellt.

Bis zum Jahre 2020 ist noch Zeit für das Ziel, den Energieverbrauch (Wärme, Wasser und Strom) um mindestens 30 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu senken. „Beim Wärmeverbrauch haben wir dieses Ziel deutlich erreicht. Der Strom- und Wasserverbrauch ist hingegen gestiegen. Hier muss noch dringend nachgearbeitet werden“, fordert Landrat Arnold.

An einer flächendeckenden Verfügbarkeit von klimafreundlichen Kraftstoffen wie Bioäthanol, Bioerdgas oder Autogas scheitert derzeit die Neuorientierung im Bereich des Fuhrparks, die mittelfristig auf diese klimafreundlicheren Kraftstoffe umgestellt werden sollen. Auf einem guten Weg ist der Wetteraukreis auch bei der Qualifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu Umwelt- und Klimaschutzberatern, besonders für die Bereiche Energiesparpotentiale und Nutzerverhalten. Die Hausmeister in den Schulen haben hier eine Schlüsselfunktion. Die Schulung der Hausmeister soll 2016 intensiviert werden. Zu dem will der Wetteraukreis gemeinsam mit seinen Städten und Gemeinden ein Klimaschutznetzwerk aufbauen. Dem gehören bislang 14 der 25 Städte und Gemeinden an. Wir hoffen, dass wir auch die anderen Kommunen bald von der Mitarbeit im Klimaschutznetzwerk überzeugen können“, sagte Erster Kreisbeigeordneter Helmut Betschel.

Dass man Energie und Geld einsparen und klimaschädliche Emissionen reduzieren kann, zeigt auch die Umstellung der Beleuchtungssysteme. An acht Schulen wurde insbesondere in den Sporthallen die Beleuchtung auf LED umgestellt mit deutlichen Einsparerfolgen. Insgesamt wurden so 310.000 Kilowattstunden Strom und 72.000 Euro Kosten eingespart, die CO2-Emission konnte um 3.670 Tonnen reduziert werden. Größter Einzelposten war hier die Sanierung der Hallenbeleuchtung an den beruflichen Schulen am Gradierwerk in Bad Nauheim, die zu einer Stromeinsparung von 77.000 Kilowattstunden geführt hat. Damit konnten nicht nur 17.750 Euro gespart werden, sondern auch die Umwelt um 911 Tonnen CO2 entlastet werden.

 

veröffentlicht am: 26. Oktober 2015