Mistel (Viscum album) - Merkblatt
Misteln (Viscum album) in der Krone eines Obstbaums, Bild: Naturschutzfonds Wetterau
Erkennen, verstehen und wirksam bekämpfen
Die Mistel breitet sich in vielen Streuobstbeständen zunehmend aus und stellt eine ernstzunehmende Gefahr für die Baumgesundheit dar. Als Halbschmarotzer entzieht sie ihren Wirtsbäumen Wasser und Nährstoffe. Dadurch werden die Bäume geschwächt, ihre Vitalität nimmt ab und es kann zum Absterben kommen.
Steckbrief
Die Mistel ist eine immergrüne Halbschmarotzerpflanze, die zwar eigene Photo-synthese betreibt, jedoch auf die Versorgung durch ihren Wirtsbaum angewiesen ist. Charakteristisch ist ihr kugeliger Wuchs mit gelbgrünen, gabelig verzweigten Trieben. Im Herbst bildet sie weiße, klebrige Beeren, die vor allem durch Vögel verbreitet werden. Die Pflanze steht nicht unter Naturschutz und kann ganzjährig entfernt werden. Für die gewerbliche Entnahme und Vermarktung ist eine Genehmigung des Wetteraukreises, Fachstelle Naturschutz und Landschaftspflege erforderlich (BNatSchG § 39 Absatz 4).
Vorkommen und Verbreitung
In Streuobstwiesen sind insbesondere Apfelbäume betroffen, seltener Birnbäume. Auch Pappeln, Weiden und Linden dienen als Wirtsgehölze, während Steinobstarten wie Kirsche oder Zwetschge kaum befallen werden.
Die Ausbreitung erfolgt hauptsächlich über Vögel, die die klebrigen Samen auf Ästen abstreifen oder ausscheiden. Nach der Keimung dringt die Mistel mit spezi-ellen Saugorganen in das Holz ein und verbindet sich mit dem Leitungsgewebe des Baumes. Bis zur ersten Fruchtbildung vergehen in der Regel mehrere Jahre. Wichtig: nur weibliche Pflanzen bilden Beeren.
Auswirkungen auf den Baum
Typische Folgen am Baum sind:
- verminderte Vitalität und geringerer Zuwachs
- Absterben einzelner Äste oder Kronenteile
- erhöhte Bruchgefahr durch zusätzliche Last, insbesondere bei Schnee
- Eintrittspforten für Pilze und andere Schadorganismen
Bekämpfung – der entscheidende Schritt
Die wirksamste Maßnahme gegen die Mistel ist ihre frühzeitige und konsequente Entfernung. Je früher eingegriffen wird, desto geringer ist der Schaden für den Baum und desto nachhaltiger ist der Erfolg.
- junge Misteln möglichst früh und vollständig entfernen
- befallene Äste mindestens 20 cm ins gesunde Holz zurückschneiden, um alle Saugstrukturen zu beseitigen
- ist ein Rückschnitt nicht möglich, kann regelmäßiges Ausbrechen die Sa-menbildung verhindern
- Nachkontrollen über mehrere Jahre sind notwendig, da die Mistel langsam wächst
Bei stärkerem Befall sind weitergehende Maßnahmen erforderlich. Befallene Starkäste oder Teile des Kronengerüsts lassen sich oft nicht mehr ohne größere Schäden sanieren. In solchen Fällen kann eine schrittweise Reduktion sinnvoll sein. Ist ein Baum sehr stark betroffen, kann auch eine Fällung oder die Erhal-tung als stark eingekürzter Habitatbaum („Torso“) in Betracht gezogen werden. Für eine Fällung ist vorab die Genehmigung des Wetteraukreises, Fachstelle Na-turschutz und Landschaftspflege erforderlich. Um Folgeschäden zu vermeiden, kann es sinnvoll sein, einzelne Misteln vorübergehend zu belassen, insbesondere wenn sonst plötzlich große Kronenteile freigestellt würden.
Vorbeugung und langfristige Strategie
Eine nachhaltige Eindämmung der Mistel gelingt nur durch regelmäßige Pflege der Bestände. Ziel ist es, die Bildung von fruchttragenden Pflanzen möglichst zu verhindern und bestehende Samenquellen zu reduzieren durch:
- regelmäßigen Schnitt zur frühzeitigen Entfernung junger Misteln
- vorrangige Behandlung stark befallener Bäume
- Kontrolle angrenzender Bäume und konsequente Nachpflege.
Nur durch kontinuierliche Maßnahmen über mehrere Jahre lässt sich die Ausbreitung der Mistel wirksam begrenzen und die langfristige Vitalität von Streuobstbeständen sichern.
Zum Download des Merkblatts.
Mistel (Viscum album) – typisch mit ihren immergrünen, kugelförmigen Trieben. Bild: Naturschutzfonds Wetterau