Fachtag Gewaltschutz - Hochrisikofälle erkennen und wirksam handeln

Im Vordergrund eine Fast, Hintergrund, der Rücken und Kopf einer Fraue, die sich wegduckt

Bild: Pixabay

Gewalt in Partnerschaften ist weit verbreitet, sie wird jedoch nur selten angezeigt. Die aktuelle Dunkelfeldstudie „LeSuBia“ zeigt: Die tatsächliche Häufigkeit geschlechtsspezifischer Gewalt ist deutlich höher als bislang angenommen – in Extremfällen kann sie tödlich enden.

Um Fachkräfte für den Umgang mit Hochrisikofällen zu stärken, laden der Fachdienst Frauen und Chancengleichheit und der Runde Tisch Gegen Häusliche Gewalt des Wetteraukreises am Donnerstag, den 16. April 2026 zu einem Fachtag ins Kreishaus am Europaplatz ein.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht die Expertise erfahrener Fachkräfte aus der Praxis – darunter Sophia Berlin vom Interventionszentrum gegen häusliche Gewalt in Landau/Pfalz sowie Ruth Eismann, Opferschutzbeauftragte im Polizeipräsidium Mittelhessen. Anschließend bieten interaktive Workshops Raum für Austausch, Kooperation und die gemeinsame Entwicklung eigener Ansätze für den Wetteraukreis.

Die Veranstaltung ist ein Baustein mit dem wir die Istanbul-Konvention des Europarates bei uns im Wetteraukreis konsequent umsetzen. Diese verpflichtet die Vertragsstaaten u.a. Risiken zu identifizieren und koordinierte Schutzmaßnahmen vorzuhalten.

Die Teilnahme ist kostenfrei. Fachleute aus dem Wetteraukreis sind herzlich eingeladen, sich anzumelden und den Gewaltschutz in der Region aktiv mitzugestalten.

Vorläufiges Programm:

8:45 Get together

9:00 Grußworte: Birgit Weckler, Erste Kreisbeigeordnete des Wetteraukreises und Torsten Krückemeier, Polizeipräsident des Polizeipräsidiums Mittelhessen

9:30 Einführung „Hochrisikomanagement – Definition und rechtliche Einordnung“, Simone Mertel, Fachdienst Frauen und Chancengleichheit Wetteraukreis

10:00 Fachvortrag „Polizeiliches Vorgehen bei Häuslicher Gewalt“, Opferschutzbeauftragte des PP Mittelhessen – Ruth Eismann und Vorstellung des Bedrohungsmanagements durch Mitarbeiter der zuständigen Abteilung im PP Mittelhessen: Nach einer Einführung in die Begrifflichkeiten “Häusliche Gewalt” und “Gewalt im sozialen Nahraum” erläuter Ruth Eismann das polizeiliche Vorgehen in Hessen, sowie die rechtlichen Grundlagen. Im weiteren Vortrag wird erläutert, wie es zu einer Einstufung als Hochrisikofall kommt und welche Maßnahmen dann im Rahmen des Bedrohungsmanagements erfolgen können.

11:30 Kaffeepause

11:45 Fachvortrag „Hochrisikomanagement in Fällen von häuslicher Gewalt in Rheinland-Pfalz, Sophia Berlin, M.A. Migration und soziale Mediation; seit 2020 Beraterin für Betroffene von häuslicher Gewalt und Stalking im Interventionszentrum Landau (Pfalz): In Rheinland-Pfalz wurde bereits 2015 ein landesweites Konzept zum Hochrisikomanagement entwickelt. Das Pilotprojekt “Highrisk” wurde inzwischen erfolgreich ausgewertet und ist dort fester Bestandteil der Intervention bei Gewalt in engen sozialen Beziehungen. In ihrem Vortrag stellt Sophia Berlin das rheinland-pfälzische Konzept “High Risk” vor und erläutert das Best-practice-Beispiel “Modell Südpfalz”, eine gemeinsame Initiative der Staatsanwaltschaft, Polizei, Jugendamt und dem Pfälzischen Verein für Soziale Rechtspflege Südpfalz.

13:15 Mittagspause/ Mittagssnack

13:45 Workshops für Austausch, Kooperation und die gemeinsame Entwicklung eigener Ansätze für den Wetteraukreis (R108, R313 und Plenarsaal) 

Workshop 1: Schwerpunkt Betroffenenberatung / Bettina Faas, Interventionsstelle Trier und Jeanette Stragies, Frauen-Notruf Wetterau e.V.: Anhand eines Fallbeispiels wird der Ablauf und die Vorgehensweise bei Hochrisikofällen in Rheinland-Pfalz praxisnah verdeutlicht. Im Anschluss werden die Teilnehmenden sich damit befassen, wie die interdisziplinäre Zusammenarbeit Wetteraukreis verbessert werden kann.

Workshop 2: Schwerpunkt Kinderschutz / Simone Mertel, Fachdienst Frauen und Chancengleichheit In diesem Workshop stellen wir den Schutz der mitbetroffenen Kinder in den Vordergrund. Auf Grundlage der Fachvorträge am Vormittag benennen wir Risikofaktoren, die in einem Umgangsverfahren zu beachten sind. Wir schauen uns das Konzept der Kinder-Interventionsstellen in Rheinland-Pfalz an. Anschließend stellen wir Ressourcen und Bedarfe im Wetteraukreis gegenüber.

Workshop 3: Gefahrenabwehr, Strafverfolgung und Kooperation - Gewaltschutz und Risikomanagement bei häuslicher Gewalt im polizeilichen Vorgehen/ Judith Pollesch, Polizeidirektion Wetterau: Wir stellen uns den Leitfragen: Was braucht es für ein gelungenes Hochrisikomanagement? Was kann ich in meiner  Rolle tun, um dieses Ziel zu erreichen? Wo tun sich Grenzen und Schwierigkeiten auf?

15:15 Vorstellung der Ergebnisse der Workshops im Plenum

Zur Anmeldung 

Veröffentlicht am: 19. März 2026