Damit Wendehals und Wiedehopf im Kreis eine Heimat behalten

Gemeinsames Projekt des Naturschutzfonds Wetterau und der HGON setzt sich für Lebensraumerhalt bedrohter Vogelarten ein

Ein Wiedehopf steht auf einer Wiese.

Der prächtige Wiedehopf ist ein seltener Gast im Wetteraukreis. Mit einem gemeinsamen Nisthilfe-Projekt wollen Landschaftspflegeverband, Naturschutzfonds und HGON seine Brutbemühungen vor Ort unterstützen. Foto: T. Sacher

Der Landschaftspflegeverband des Wetteraukreis, der Naturschutzfonds Wetterau e.V. und die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) setzen sich gemeinsam für den Schutz von Wiedehopf und Wendehals ein. Für diese seltenen Vogelarten werden spezielle Nisthilfen geschaffen, die in den Streuobst- und Halboffenlandschaften des Wetteraukreises installiert werden.

Die Streuobstwiesen des Kreises sind prägendste Kulturlandschaften der Region. Sie stehen für ein fein verzahntes Zusammenspiel aus Nutzung, Pflege und natürlicher Vielfalt: ein Lebensraum, der über Generationen entstand und bis heute zahlreiche spezialisierte Tier- und Pflanzenarten beheimatet. Doch er ist empfindlich und auf kontinuierliche Unterstützung angewiesen.

Daher initiierten der Landschaftspflegeverband des Kreises, der Naturschutzfonds Wetterau und die HGON gemeinsam ein Artenschutzprojekt. Im Mittelpunkt steht der Bau von Nisthilfen für Wiedehopf und Wendehals. Diese in der Region seltenen Brutvögel sind auf strukturreiche, extensiv genutzte Kulturlandschaften angewiesen sind.

Projekt aus Verantwortung für die Kulturlandschaft

Mit Fachleuten von HGON und Naturschutzfonds entstand ein spezieller Bauplan für Wiedehopf-Nisthilfen, der sich an ökologischen Ansprüchen der Art orientiert und zugleich eine praxisnahe Umsetzung ermöglicht. Die Fertigung erfolgt in der Teilhabe Wetterau in Hirzenhain. Damit verbindet das Projekt Naturschutzarbeit mit sozialer Teilhabe und handwerklicher Praxis.

Während der Naturschutzfonds finanzielle und konzeptionelle Grundlagen bereitstellt, übernimmt die HGON die Umsetzung im Gelände. Dazu gehört die Auswahl geeigneter Standorte, die fachgerechte Anbringung der Nisthilfen sowie das langfristige Monitoring der Brutplätze. „Der Schutz der biologischen Vielfalt ist immer auch ein Schutz unserer gewachsenen Kulturlandschaft. Projekte wie dieses zeigen, dass Verantwortung für Natur nicht abstrakt bleibt, sondern konkret vor Ort gestaltet wird“, erklärt der Landrat als Vorsitzender des Naturschutzfonds Wetterau.

Der Wiedehopf – Spezialist offener, strukturreicher Landschaften

Der Wiedehopf gehört zu den markantesten Vogelarten der europäischen Kulturlandschaft. Seine Lebensweise ist eng an offene, wärmebegünstigte Gebiete gebunden, in denen Streuobstwiesen, Feldgehölze und extensiv genutzte Flächen ein vielfältiges Nahrungsangebot bieten. Charakteristisch ist seine Nahrungssuche am Boden: Mit seinem langen, gebogenen Schnabel sondiert er lockere Böden gezielt nach Großinsekten. Diese Ernährungsweise macht ihn abhängig von Böden, die nicht intensiv genutzt oder versiegelt sind, sondern eine hohe biologische Aktivität aufweisen. Als Höhlenbrüter ist er auf vorhandene Baumhöhlen oder vergleichbare Strukturen angewiesen. Da alte, strukturreiche Obstbäume vielerorts zurückgegangen sind, fehlen natürliche Brutplätze zunehmend. Ersatz bieten nur gezielt angebrachte Nisthilfen.

Der Wendehals – leiser Bewohner alter Bäume und offener Flächen

Der Wendehals ist eine unauffällige, jedoch hoch spezialisierte Vogelart der offenen und halboffenen Kulturlandschaft. Als Höhlenbrüter, der selbst keine Bruthöhlen bauen kann, ist er vollständig auf vorhandene Baumhöhlen oder künstliche Nisthilfen angewiesen. Sein Lebensraum umfasst strukturreiche Landschaften mit alten Obstbäumen, lichten Waldrändern und extensiv genutzten Wiesen. Entscheidend ist dabei ein ausreichendes Angebot an offenen Bodenstellen, da der Wendehals sich nahezu ausschließlich von Ameisen und deren Entwicklungsstadien ernährt. Diese enge Nahrungsspezialisierung macht ihn besonders abhängig von extensiv bewirtschafteten, insektenreichten Flächen. 

Streuobstlandschaften als Grundlage biologischer Vielfalt

Das Projekt macht zugleich deutlich, welche zentrale Rolle Streuobst- und Halboffenlandschaften vor Ort für den Erhalt der biologischen Vielfalt spielen. Sie sind nicht nur Lebensraum für spezialisierte Tierarten, sondern Ausdruck einer über Generationen gewachsenen Kulturlandschaft, die von Nutzung, Pflege und natürlicher Dynamik gleichermaßen geprägt ist. Das gemeinsame Engagement von Naturschutzfonds, HGON und Teilhabe Wetterau macht den Zusammenhang konkret sichtbar: als praktischer Artenschutz, Ausdruck regionaler Verantwortung und Beitrag zum Erhalt einer Landschaft, deren Wert sich nicht allein in ihrer Gegenwart erschließt.

Weitere Informationen

Die Streuobstberatung ist Teil des Projekts „Vorbereitung, Begleitung und Evaluation von Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege durch den Naturschutzfonds Wetterau e.V.“ und wird durch das Land Hessen im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Landschaftspflegeverbänden gefördert. Bewilligungsstelle ist das Regierungspräsidium Darmstadt. Die Förderung trägt insbesondere zur Umsetzung der Ziele der Hessischen Biodiversitätsstrategie bei. Weitere Informationen findet man auf der Internetseite des Naturschutzfonds Wetterau . 

Veröffentlicht am: 04. November 2026