Ja, das ist Antisemitismus!

Wanderausstellung von RIAS Hessen im Friedberger Kreishaus rückt antisemitische Erfahrungen in den Blickpunkt

Zwei Männer stehen vor einer Plakatwand.

Damit antisemitische Ereignisse sichtbar werden: Landrat Jan Weckler eröffnet gemeinsam mit Pfarrer Siegfried Nickel von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Wetterau die Ausstellung im Friedberger Kreishaus.

Ein schräger Blick in der Fußgängerzone, eine abwertende Bemerkung auf dem Schulhof oder offene Anfeindungen im Internet – Antisemitismus gehört für Juden in Hessen zu den Alltagserfahrungen. Zwischen den Jahren 2022 und 2025 haben sich antisemitische Straftaten von 179 Fällen auf 1.099 erhöht. Nicht selten erleben die Betroffenen, wenn sie davon berichten, Unverständnis oder Bagatellisierung. Die Ausstellung der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Hessen (RIAS Hessen) unter dem Titel „Ja, DAS ist Antisemitismus!“ rückt konkrete antisemitische Ereignisse in den Blickpunkt und möchte so das Bewusstsein für diese Vorfälle schärfen. Auf Initiative der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Wetterau ist sie ab sofort im Friedberger Kreishaus zu sehen. Landrat Jan Weckler hat die Wanderausstellung eröffnet.   

Auf Plakaten sind tatsächliche Vorfälle aus dem Alltag von Juden in Hessen sowie die Reaktionen aus dem sozialen Umfeld auf die Erlebnisse anonym dargestellt. Die Geschehnisse wurden mit Illustrationen grafisch aufgearbeitet, um die Lebensrealität und den Verlust des Sicherheitsgefühls der Betroffenen sichtbar zu machen.

Landrat Weckler: „Antisemitismus hat keinen Platz in unserer Gesellschaft“

„Antisemitismus hat keinen Platz in unserer Gesellschaft“, sagte Landrat Jan Weckler bei der Ausstellungseröffnung. Dass man das heute wieder stärker denn je betonen müsse, sei ein trauriges Zeichen: „Wir haben in den letzten drei Jahren seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel erlebt, dass sich Antisemitismus aus den verschiedensten Richtungen verstärkt Bahn bricht in unserer Gesellschaft. Jüdisches Leben soll sich nicht verstecken müssen, es gehört dazu.“ Daher sei er froh, so Landrat Weckler, die Ausstellung von RIAS Hessen im Wetteraukreis zeigen zu dürfen: „Es ist wichtig, auf die große Problematik des Antisemitismus aufmerksam zu machen. Mit Bildung und Austausch können wir gewissen Entwicklungen am besten entgegenwirken.“ Der Wetteraukreis investiere in diesem Bereich selbst viel: „Wir finanzieren schulische Gedenkstättenfahrten zu Orten des nationalsozialistischen Terrors mit und unterstützen bei Projekten, die Antisemitismus bekämpfen wollen. Wir freuen uns über jede Schule, die diese Angebote wahrnimmt.“

Pfarrer Siegfried Nickel von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Wetterau erläuterte: „In der Ausstellung geht es nicht um Definitionen, sondern um Alltagserfahrungen. Menschen aus der Mitte unserer Gesellschaft hören Bemerkungen und Aussagen, die Sorgen, Ängste und Furcht in ihnen auslösen.“ Viele Juden trauten sich nicht mehr ihre Kette mit dem Davidsstern öffentlich zu tragen, den Chanukka-Leuchter ins Fenster zu stellen oder verböten ihren Kindern in Frankfurt, in der Sportkleidung ihres Vereins Maccabi zum Training zu fahren, sagte Nickel: „Wir sollten nicht gleichgültig danebenstehen. Ich wünsche uns allen den Mut in unserem Alltag gegen antisemische Äußerungen offen Stellung zu beziehen.“

Ausstellung bis zum 27. November 2026 zu sehen

Die Ausstellung ist bis zum 27. November im Foyer im Friedberger Kreishaus, Gebäude B, Europaplatz, zu sehen. Öffnungszeiten: montags bis mittwochs, 7.30 bis 16 Uhr, donnerstags bis 18 Uhr und freitags bis 12.30 Uhr.

Veröffentlicht am: 05. November 2026