Bald fließt wieder ein befreiter Bach

Wasser- und Naturschutzbehörden des Kreises und des RP Darmstadt, Gerty-Strohm-Stiftung und Anlieger-Kommunen auf Zielgerade bei „Bleiche“-Renaturierung.

Das Bild zeigt die Bleiche oberhalb von Wenings aus der Vogelperspektive.

Die Rückentwicklung zu natürlichen Bach- und Flusslandschaften, die mit ihrer „Schwammwirkung“ auch dem Hochwasserschutz dienen, ist eines der Ziele des Programms „100 Wilde Bäche“. An der Bleiche oberhalb von Wenings lässt sich der Erfolg sehen, wie das Foto aus dem Frühjahr zeigt. Foto: Lukas Barthel

Hochwasserschutz durch Retentionsflächen bei starken Unwettern und „Wasserschwamm“, wenn Dürre die Böden austrocknet: Diese Funktionen erhoffen sich die Mitglieder des „Teams Bleichenbach“ von der Renaturierung der „Bleiche“ und ihres Umfelds. Das Projekt als Teil des hessischen Programms „100 Wilde Bäche“ steht kurz vor dem Abschluss.

Ende Oktober soll die Renaturierung des Bleichenbachs nahezu vollständig abgeschlossen sein. Dann wird die „Bleiche“ zwischen Wenings und Stockheim nicht mehr durch künstliche Einschränkungen behindert und kann auf weiten Strecken wieder ihre ursprüngliche Dynamik entfalten. Den aktuellen Stand zum Baufortschritt gab das „Team Bleichenbach“ nun bekannt, in dem sich die Wasser- und Naturschutzbehörden des Wetteraukreises und des Regierungspräsidiums Darmstadt, die Gerty-Strohm-Stiftung sowie die Anlieger-Kommunen der Bleiche zusammengeschlossen haben. 

Vor Kurzem wurde zwischen den Ortenberger Stadtteilen Gelnhaar und Bergheim eine neue Schleife gebaggert, die sich am ursprünglichen Bachverlauf orientiert. Noch liegt sie trocken – der Anschluss erfolgt, sobald die Bleiche wieder mehr Wasser führt. Im Ortenberger Stadtteil Bleichenbach wurde darüber hinaus der Boden des ehemaligen Angelteichs modelliert. Dort soll von selbst ein Auwald entstehen. 

Einige Restarbeiten sind noch zu erledigen. In den Ortslagen werden Wanderhindernisse aus dem Bach entfernt, so dass ein Aufstieg der Fische und Kleintiere in den Oberlauf des Bachs nicht mehr gehemmt ist. Vor den Ortslagen will man auch Treibgutfänge installieren. Vieles wird dann im Lauf der Jahre ohne menschliches Zutun eintreten und sich selbständig weiterentwickeln. 

Besonders das Grünland, das den Bach begleitet, soll wie ein Schwamm überschüssiges Wasser wieder im Land halten können. Reaktivierte Retentionsräume sollen es ermöglichen, große Flächen auch während lang andauernder Trockenperioden durchfeuchtet zu halten. Dies zeigt sich bereits in der Aue zwischen Wenings und Gelnhaar. Bei Hochwasser werden diese Retentionsräume die Entstehung von Hochwasserwellen dämpfen und dafür sorgen, dass das Wasser langsamer als heute abläuft, soweit es nicht im Boden gespeichert wird. Im Lauf der Jahre werden entlang der Bleiche Bäume und Sträucher wachsen und mit ihrem Schatten das heute viel zu warme Wasser der Bleiche wieder kühlen. 

In Zeiten des Klimawandels mit seinen dramatischen Dürren, seiner Wasserknappheit und abgesacktem Grundwasserspiegel sei das ein Segen für Menschen, Pflanzen und Tiere, denen sich bereits heute neue Lebensräume eröffnet haben und weiterhin eröffnen werden, teilen die Vertreterinnen und Vertreter des „Teams Bleichenbach“ mit. Mit seinen Speicher- und Rückhaltekapazitäten dämpfe das renaturierte Bachumfeld die Auswirkungen des Klimawandels und stelle damit einen notwendigen Schritt zur Anpassung an die Veränderungen des Klimas dar. 

„Mit der Renaturierung des Bleichenbachs erleben wir ein Beispiel für die gelungene Kooperation von verschiedenen Behörden einerseits und Aktiven vor Ort andererseits. Ich danke daher allen Beteiligten für ihr gemeinschaftliches Engagement, das einen wichtigen Beitrag in den Bereichen Klima-, Arten- und Hochwasserschutz leistet“, betont die Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Dezernentin Birgit Weckler.         

Das Renaturierungsprojekt „Bleiche“ ist Teil des hessischen Programms „100 Wilde Bäche“, das die Frankfurter Gerty-Strohm-Stiftung aufgriff, trägt und finanziert. Die Liegenschaftsverwaltungen der Anlieger-Kommunen Gedern, Ortenberg und Glauburg sowie viele Bürgerinnen und Bürger halfen in großem Umfang besonders bei der Landbeschaffung, was wichtig für das Projekt ist. 

Neben vielen anderen Behörden haben vornehmlich die Wasser- und Naturschutzbehörden des RP und des Wetteraukreises ihren Sachverstand eingebracht und engagiert an der Planung des Gewässerökologen und Bauleiters Gottfried Lehr aus Bad Vilbel mitgewirkt. Örtlich haben bereits Biber die Verwandlung der Bleiche mitgestaltet und werden dies auch künftig tun. 

Veröffentlicht am: 16. September 2026