Bezahlbaren Wohnraum dort schaffen, wo er gebraucht wird

Kreisbeigeordnete Marion Götz legt erste Wohnraumbedarfsanalyse für den Wetteraukreis vor / Bedarf und Entwicklungen nun zielgenau ermittelbar

Eine Frau sitzt in einem Büro an einem Schreibtisch und hält ein Dokument in Händen. Die Grafik des Dokumententitels ist auch auf den Bildschirmen auf dem Schreibtisch zu sehen.

Welcher Wohnraumbedarf besteht wo im Kreis? Antworten liefert die neue Wohnraumbedarfsanalyse, die Kreis-beigeordnete Marion Götz jetzt vorstellte.

Bundesweit fällt es Menschen mit geringen und mittleren Einkommen seit Jahren immer schwerer, passenden Wohnraum zu finden. Dies betrifft auch viele Wohnungssuchende im Wetteraukreis. Der Kreis erarbeitete daher in den vergangenen zwei Jahren unter Federführung der Kreisbeigeordneten und Sozialdezernentin Marion Götz gemeinsam mit den Kreistags-Fraktionen und den 25 Kreis-Kommunen eine Strategie für mehr bezahlbaren Wohnraum und setzte sie um. Ein neuer, jetzt zur Verfügung stehender Baustein ist die Wohnraumbedarfsanalyse.

Seit 2025 unterstützt der Kreis Investitionen in bezahlbaren Mietwohnraum finanziell und gründete zusätzlich mit 22 Städten und Gemeinden eine interkommunale Gesellschaft - die „Bezahlbarer Wohnraum im Wetteraukreis GmbH“ (BZW). Diese agiert als kreisweites Kompetenzzentrum zur Schaffung preisgünstigen Wohnraums. Sie berät Kommunen und Bauherren bei der Entwicklung von Wohnraumprojekten, hilft bei der Akquise externer Fördermittel, schafft ein Informationsnetzwerk mit wesentlichen Akteuren für die Entstehung bezahlbaren Wohnraums und mehr.

Bislang fehlten allerdings konkrete Informationen, wo im Kreis wie viele Wohnungen welcher Größe und Ausstattung fehlen. Denn die Situation in den 25 Städten und Gemeinden ist keineswegs überall gleich. Auf Initiative von Kreisbeigeordneter Götz gab der Wetteraukreis daher 2025 erstmals eine Wohnraumbedarfsanalyse in Auftrag, deren Ergebnisse nun vorliegen. „Ziel ist es, einen datenbasierten Überblick über die aktuelle Lage auf dem Wohnungsmarkt im Kreisgebiet zu erhalten und künftige Herausforderungen und Bedarfe bis 2040 möglichst konkret aufzuzeigen. Gemeinsam mit den Gesellschafterkommunen unserer GmbH können wir daraus Handlungsfelder und Maßnahmen zur Unterstützung der Wohnungsmarktentwicklung ableiten. Die Studie dient somit als strategisches Informations- und Steuerungsinstrument sowie als gemeinsame Arbeits- und Entscheidungsgrundlage“, sagte Götz bei Vorstellung der Ergebnisse.

Die Wohnraumbedarfsanalyse führt demografische, infrastrukturelle und soziale Daten und Informationen zusammen. Diese analysierte das Fachinstitut GEWOS, Hamburg, in enger Zusammenarbeit mit dem Kreis. Die BZW-Gesellschafterkommunen und viele weitere wohnungswirtschaftliche Akteure wie Unternehmen der Wohnungswirtschaft, Makler, Investoren, die Sozialverwaltung und die Wohnraumförderstelle des Kreises wurden intensiv einbezogen. 

Ergebnisse der Analyse vorgelegt

Hier ein kleiner Einblick in die Ergebnisse der Studie:

  • Der Wetteraukreis verzeichnet seit vielen Jahren ein deutliches Bevölkerungswachstum, das sich im Untersuchungszeitraum bis 2040 fortsetzen wird. Dies betrifft vor allem die westlich gelegenen Kommunen. In einzelnen Kommunen des östlichen Kreisgebiets ist von einem leichten Rückgang der Einwohnerzahl auszugehen.

  • Seit 2015 wurden im Kreis pro Jahr durchschnittlich rund 1.020 neue Wohneinheiten errichtet, der Großteil davon in Mehrfamilienhäusern. Dies führte jedoch nicht zu einer Entspannung am Wohnungsmarkt. Die Angebotsmieten für Bestandsobjekte bei Wohnungen stiegen seit 2015 um 41 Prozent, bei Häusern um 47 Prozent. Kaufpreise für Bestandsobjekte bei Wohnungen verteuerten sich um 73 Prozent, bei Häusern um 76 Prozent. 
  • Für 55 Prozent der Singlehaushalte liegt die Wohnkostenbelastung höher als ein Drittel des Einkommens. Bei Zweipersonenhaushalten betrifft dies 28 Prozent, bei Haushalten mit drei und mehr Personen je nach Haushaltsgröße zwischen 30 und 38 Prozent. 

  • Die Zahl der Haushalte im Wetteraukreis wird bis 2040 um etwa 5,4 Prozent steigen. Dabei wird vor allem die Zahl der Einpersonenhaushalte deutlich zunehmen. Bereits heute besteht ein Mangel an kleinen Wohnungen für diese Zielgruppe.

  • Bis 2040 besteht im Wetteraukreis ein Neubaubedarf von etwa 10.610 Wohneinheiten. 
  • Die Struktur der Bevölkerung im Kreisgebiet wird sich bis 2040 weiter in Richtung älterer Menschen verschieben. Die Bedeutung kleinerer Seniorenhaushalte wird daher weiter steigen. 

  • Barrierefreiheit spielt ebenfalls eine zunehmende Rolle. Bereits heute gibt es ein deutliches Defizit an barrierefreiem oder -armem Wohnraum. 

Die Wohnraumbedarfsanalyse wird der Wetteraukreis künftig regelmäßig fortschreiben. „Kreis, Kommunen und alle weiteren Wohnungsbauakteure können so auf die Informationen stets aktuell zugreifen. Sie erhalten eine direkt nutzbare Informationsquelle zu Art und Umfang des Wohnraumbedarfs für unterschiedliche Zielgruppen sowie zu lokalräumlichen Entwicklungen und Trends. Damit wollen wir dazu beitragen, dass bezahlbarer Wohnraum vor allem dort entsteht, wo er gebraucht wird, und in der Form, wie er benötigt wird. Dies ermöglicht uns, Fördermittel zielgerichtet einzusetzen und die Aktivitäten der BZW GmbH noch effektiver ausrichten“, so Marion Götz abschließend. 

Die Wohnraumbedarfsanalyse ist auf der Internetseite des Wetteraukreises abrufbar.

Veröffentlicht am: 20. August 2026