Erfolgreiche Schatzsuche im Kita-Sandkasten
Sechsjähriger Ole findet römische Münze im Kindergarten Lilliput in Echzell-Bingenheim

Stolz hält Ole die römische Münzen aus der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts n. Chr. in seiner Hand.

Genau hier hat Ole den kleinen römischen Schatz gefunden.
Kreisarchäologe Dr. Jörg Lindenthal staunte nicht schlecht, als ihn Mitte Juli die Leiterin der Kita Lilliput aus Bingenheim anrief: Der sechsjährige Ole habe soeben beim Spielen im Außenbereich der Kindertagesstätte eine „alte Münze“ ausgegraben.
Nur wenige Tage zuvor hatte eine 12-jährige Schülerin einen keltischen Armreif in der Keltenwelt am Glauberg präsentiert, den sie bei einem Spaziergang entdeckt hatte. Ähnlich wie beim Fund des Armreifs hätten sowohl Ole, der seinen Fund sofort vorzeigte, als auch die Leiterin der Kita, Louisiana Seitz, die den Fund der Kreisarchäologie meldete, vorbildlich gehandelt, lobte Lindenthal.
Eine rund 1.700 Jahre alte Münze
Bei einer ersten in Augenscheinnahme zeigte sich, dass es sich bei dem Fundstück tatsächlich um ein historisches Stück handelt. Ole hatte einen Follis ausgegraben, eine römische Münze, geprägt in den Jahren nach 337 n. Chr. unter Kaiser Constans, einem der Söhne Konstantins des Großen. Die Münze stammt aus einer Zeit, als die römische Herrschaft in der Wetterau schon zu Ende war. Die Germanen kamen, gründeten neue Dörfer und besiedelten das Gebiet dichter. Sie standen mit dem in dieser Zeit linksrheinisch noch bestehenden römischen Reich in Kontakt und handelten offenbar miteinander. Das belegen nicht zuletzt zahlreiche römische Münzfunde in den germanischen Siedlungen der Wetterau.
Kreisarchäologe Lindenthal erläuterte: „Da bisher im direkten Umfeld der Kita in Bingenheim noch keine Fundstelle aus der Spätantike bekannt war, ist die Meldung dieses Neufundes wichtig.“ Natürlich handele es sich um einen Einzelfund, der auf vielen Wegen auf das Grundstück gelangt sein könne: „Aber vielleicht ist er auch ein erstes Indiz für eine neue spätantike Fundstelle am Rande der Horloff. Vielleicht gibt es hier noch mehr.“
Archäologievormittag in der Kita
Für die Kinder der Kita Lilliput jedenfalls war es mit dem Fund alleine nicht vorbei. Die Entdeckung der Münze bescherte ihnen einen ganzen „Archäologievormittag“. Zunächst wurde die Fundstelle und ihr Umfeld unter aufmerksamer Begleitung der Kinder von Stefan Lucke, einem ehrenamtlichen Mitarbeiter der Kreisarchäologie, nach weiteren Funden abgesucht. Die Nachsuche erbrachte zwar drei weitere historische Münzen, allerdings lang nicht so alt wie der erste Fund. Zum Vorschein kamen nur ein Zehn- und zwei Fünfpfennigstücke aus D-Mark-Zeiten. Die römische Münze wird nun also als Einzelfund in der Fundstellenkartei der hessenARCHÄOLOGIE geführt.
Für eine genau Eintragung in eine archäologische Datenbank ist immer eine Einmessung der Fundstelle notwendig. Wie dies mit Hilfe eines Messgerätes geschieht, konnten die Kitakinder dann live verfolgen. Leider war der eigentlich in Echzell ehrenamtlich tätige Mitarbeiter der Kreisarchäologie, der REWE-Kaufmann Werner Herzing, verhindert. Er ließ es sich aber nicht nehmen, dem jungen Finder und den übrigen Kitakindern über die Kreisarchäologie Glückwünsche für den Fund und die vorbildliche Meldung auszurichten, begleitet von einem großzügigen Präsent in Form mehrerer Kisten Obst und einigen Süßigkeiten.
Ole ist einer der jüngsten Finder in Hessen
Hardy Prison, der zuständige Bezirksarchäologe in Wiesbaden bestätigte, dass Ole mit seinen sechs Jahren sicher zu den jüngsten in den Ortsakten des Landesamtes für Denkmalpflege Hessens geführten Findern gehören dürfte. Die Münze, die einen historischen aber keinen hohen materiellen Wert hat, verbleibt nun ordnungsgemäß im Archiv der hessenARCHÄOLOGIE. Ole selbst wird hoffentlich einen schönen Tag mit seiner Familie auf der Saalburg verbringen. Das Team des Römerkastells überraschte den ehrlichen Finder mit einer Eintrittskarte vom Saalburgmuseum.