Wo Schafe Insekten beflügeln
Eine Untersuchung bestätigt: Die Schafe auf dem Eichkopf bei Ober-Mörlen sorgen dafür, dass sich etliche Insektenarten wohlfühlen.

In gemütlicher Eintracht leben auf dem Eichkopf Schafe, Schmetterlinge und Heuschrecken zusammen und schaffen zusammen ein artenreiches Ökosystem. Foto: Schäferei Schmidt
Schmetterlinge, Heuschrecken, eine Gottesanbeterin und weidende Schafe – im Sommer zeigt sich auf dem Eichkopf bei Ober-Mörlen ein Bild vollen Lebens. Dass die Bergkuppe so artenreich ist, liegt unter anderem an den Schafen der Schäferei Schmidt. Sie ziehen mit ihrem Schäfer als Wanderschäferei von Weide zu Weide. Eine wissenschaftliche Untersuchung im Auftrag des Landschaftspflegeverbandes Naturschutzfonds Wetterau e.V. hat jetzt bestätigt: Die Beweidung mit Schafen sichert die Artenvielfalt im FFH Gebiet, dem ehemaligen Truppenübungsgebiet Eichkopf-Winterstein.
Seit dem Abzug der US-Army wird das Gebiet durch HessenForst gepflegt. Zunächst waren Forstgeräte im Einsatz, die immer wieder verschiedenen Teile des Offenlandes vom Baumaufwuchs befreiten. Seit 2024 sind die Schafe, Ziegen und Herdenschutzhunde der Schäferei Schmidt auf dem Eichkopf unterwegs. Ganz auf die maschinelle Bearbeitung kann leider nicht verzichtet werden. Doch der Einsatz der Mulchgeräte konnte dank der tierischen Landschaftspfleger auf gut ein Zehntel des ursprünglichen Umfangs minimiert werden.
Ein Paradies für Schmetterling und Heuschrecke
Insekten lieben die von Wald umgebenen Weideflächen mit steinigen Stellen und blütenreichen Wildstauden. Dank der Beweidung bekommen Pflanzen und Insekten immer wieder Zeit, sich zu erholen und ihren Lebenszyklus zu durchlaufen. Das schafft ganz nebenbei einen enormen ökologischen Mehrwert.
Wie groß der Artenreichtum ist, zeigt sich nicht nur bei den Pflanzen, sondern auch bei Schmetterlingen und Heuschrecken. Viele verschiedene Schmetterlingsarten finden in dem Blütenmeer ein reichhaltiges Nahrungsangebot. Darunter zum Beispiel das auffällig gemusterte Schachbrett, das mit seiner schwarz-weißen Flügelzeichnung kaum zu übersehen ist. Heuschrecken wie die Italienische Schönschrecke wiederum genießen dagegen die steinigen Stellen mit wenig Bewuchs. Die wärmeliebende Schönschrecke braucht Flächen, die sich zur Mittagszeit stark erwärmen, um sich vollständig entwickeln und gut tarnen zu können. Eine echte Besonderheit ist die Europäische Gottesanbeterin, die schon seit längerem auf dem Eichkopf zuhause ist. Auch sie profitiert von dem lückigen, wärmebegünstigten Mosaik aus Gräsern und offenen Bodenstellen. Dort kann sie sowohl auf Jagd gehen als auch Schutz vor Fressfeinden finden. Und wo viele Insekten sind, profitieren auch die Vögel, die auf dem Eichkopf reichlich Nahrung finden.
Landrat Jan Weckler, Vorsitzender des Naturschutzfonds Wetterau e.V., bekräftigt: „Die Schäfereien leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Tier- und Pflanzenwelt im Wetteraukreis und repräsentieren gleichzeitig eine traditionelle Nutzungsform, die zur Entstehung unserer Landschaft beigetragen hat.“
Interessierte Schafhalter können sich beraten lassen
Kürzlich erkundeten Schafhalterinnen und -halter bei einer Exkursion im Rahmen der Schäfereiberatung des Landschaftspflegeverbandes Naturschutzfonds Wetterau e.V. den besonderen Lebensraum auf dem Eichkopf. Vor Ort stellte Insekten-Experte Stefan Stübing die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung vor. Die Schäfereiberatung ist Teil des Projekts „Vorbereitung, Begleitung und Evaluation von Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege durch den Naturschutzfonds Wetterau e.V.“. Das Projekt wird durch das Land Hessen im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Landschaftspflegeverbänden gefördert. Die Förderung trägt insbesondere zur Umsetzung der Ziele der Hessischen Biodiversitätsstrategie bei.
Weitere Informationen finden Sie online beim Naturschutzfonds Wetterau e.V. .