Mitglied in der Champions League des fairen Handels

Wetteraukreis erhält Auszeichnung als Fairtrade-Landkreis – Feierstunde im Kreishaus mit Ehrung der Unterstützer

Zwei Männer halten in einem Saal gemeinsam eine Urkunde in der Hand.

Landrat Jan Weckler (links) erhält aus den Händen des Fairtrade-Ehrenbotschafters Manfred Holz die Urkunde, die den Wetteraukreis nun offiziell zum Fairtrade-Landkreis macht.

Was hat der Wetteraukreis mit Städten wie Paris, Madrid, München oder London gemeinsam? Bei der Unterstützung des fairen Handels spielt er nun – genau wie sie - in der Champions League. Das erfuhren die Gäste der Feier zur Urkunden-Verleihung im Friedberger Kreishaus.  

„908 Fairtrade-Kommunen und -Landkreise gibt es mittlerweile in Deutschland, mehr als 2000 weltweit. Und seit heute ist der Wetteraukreis einer von ihnen“, freute sich Landrat Jan Weckler über die anstehende Auszeichnung. Hinter allen Beteiligten liege ein großer Berg an Arbeit, und die enge Zusammenarbeit Vieler war nötig, um zum Ziel zu gelangen. „Die Verleihung des Fairtrade-Titels bedeutet mehr, als nur fair gehandelten Kaffee im Büro auszuschenken. Es bedarf umfangreicher Planungen und vieler Unterstützer. So sind etwa 21 Gastronomiebetriebe und 42 Geschäfte im Kreis nötig, die fair gehandelte Produkte anbieten. Diesen, unseren Unterstützern möchten wir in dieser Feier ebenfalls unseren Dank aussprechen“, betonte der Landrat.

Orientiert habe man sich an Bad Nauheim, das bereits Fairtrade-Kommune sei. Darüber hinaus befinden sich Bad Vilbel und Butzbach im Bewerbungsverfahren. Landrat Weckler betonte, dass mit dem Fairtrade-Gedanken auch das Thema Nachhaltigkeit eng verbunden sei. Und hier könne der Wetteraukreis einiges vorweisen. „Wir praktizieren in der Kreisverwaltung ein nachhaltiges Beschaffungswesen und sind Ökomodellregion. Der Kreis setzt sich für den Erhalt des Kultur- und Naturguts Streuobstwiese ein und fördert auf verschiedenen Wegen regionale Produzenten und Direktvermarkter, etwa mit dem Markt der Regionen“, führte der Landrat aus. Mit der Bewerbung zur Auszeichnung als Fairtrade-Landkreis sei man nun einen logischen nächsten Schritt gegangen.

Nach diesen einleitenden Worten übernahm Frank-Uwe Pfuhl von der NABU Umweltwerkstatt Wetterau die Moderation. Er verwies darauf, dass gerade im Handel der Industrieländer mit Ländern der Dritten Welt letztere oft den Kürzeren ziehen. Vielfach komme das Geld, das für Waren, meist landwirtschaftliche Erzeugnisse, bezahlt werde, nur zum geringen Teil bei den Produzenten an. „Wir müssen uns fragen, ob wir ‚Esstischtäter‘ werden beziehungsweise bleiben wollen“, stellte Pfuhl in den Raum. Verbraucherinnen und Verbraucher besitzen durch ihr Konsumverhalten die Macht, Unternehmensentscheidungen hin zu fairem Handel zu beeinflussen. „Eine Veranstaltung wie diese kann im Wetteraukreis eine kleine Lawine lostreten und andere animieren, sich ebenfalls dem Fairtrade-Gedanken anzuschließen“, warb Pfuhl und wies darauf hin, dass es mittlerweile mehr als 5000 Produkte mit dem Fairtrade-Siegel gibt.

Die offizielle Urkunden-Übergabe durch Fairtrade-Ehrenbotschafter Manfred Holz begleitete dieser mit einer kurzweiligen Rede, in der er den Einsatz des Landkreises für fairen Handel würdigte: „Der Werteraukreis hat alle Kriterien zur Verleihung des Fairtrade-Siegels mit Bravour erfüllt. Er spielt ab heute in der Champions League des fairen Handels mit Städten wie Paris, Madrid, München oder London.“ Holz mahnte aber auch Konstanz an. Man dürfe das Gütesiegel nicht als „gelegentliches Beruhigungsmittel“ verstehen, sondern müsse sich dauerhaft und nachhaltig für fairen Handel einsetzen. „Wenn auf der Welt so viel geteilt würde wie auf Facebook oder TikTok, dann gäbe es keine Armut mehr“, so Holz. Es sei für ihn kaum verständlich, wenn in vielen Küchen teure Kaffeemaschinen stehen, der damit gebrühte Kaffee aber billig sein müsse und den Produzenten nicht genug zum Leben lasse. Die Moral dürfe nicht am Regal enden. 

Jonas Bielke von der Steuerungsgruppe des Kreises  stellte im Anschluss die einzelnen Arbeitsschritte vom ersten Beschluss bis zur jetzigen Auszeichnung vor. Er warb zudem um weitere Interessierte an einer Mitarbeit, denn die Verleihung des Fairtrade-Titels ist keine einmalige Angelegenheit. Wer ihn führen will, muss sich regelmäßigen Überprüfungen stellen.

Dr. Helmut Francke, Co-Vorsitzender des Vereins Bad Nauheim – fair wandeln, präsentierte danach Bad Nauheims Weg zur Fairtrade-Kommune. Seit fast zwölf Jahren trägt die Stadt nun den Titel und war damit Vorbild für die Bemühungen des Landkreises, wie Jan Weckler anerkennend betonte. Francke skizzierte die Entwicklung von den Anfängen mit den Eine-Welt-Kreisen in den Kirchengemeinden über die Weltladen-Gründung bis zur Verleihung des Titels. „Wichtig im Prozess ist Vernetzung, um Informationen zu bekommen. Nach der Gründung einer Kerngruppe gilt es, Mitstreiter zu gewinnen und Aufmerksamkeit zu erzeugen. Mittlerweile macht der Weltladen einen Brutto-Umsatz von 200.000 Euro jährlich, was umgerechnet auf die Einwohner einen sechsmal höheren Pro-Kopf-Umsatz bedeutet als der Deutschlandschnitt“, sah Francke die Fairtrade-Entwicklung der Stadt weiter auf einem guten Weg.

Abschließend lud Frank-Uwe Pfuhl die Gäste noch zum Besuch der Stände einiger Kooperationspartner im Plenarsaal ein: „Nutzen Sie die Gelegenheit, sich zu informieren, zu probieren und natürlich auch zu netzwerken.“

Geehrte Unterstützer:

Für ihre Unterstützung der Bewerbung des Landkreises als Fairtrade-Landkreis dankten Landrat Jan Weckler und Erste Kreisbeigeordnete Birgit Weckler verschiedenen Vereinen, Institutionen und Geschäftsinhabern. So zeichneten sie den Verein Bad Nauheim – fair wandeln und den dortigen Weltladen, die Berufliche Schule am Gradierwerk Bad Nauheim, die Berufliche Schule Oberhessen in Büdingen, die evangelische und die katholische Kirchengemeinde in Friedberg, die evangelische Kirchengemeinde Mockstadt, die Gaststätte Landhaus Knusperhäuschen in Altenstadt-Oberau, die NABU Umweltwerkstatt Wetterau in Niddatal, den Naturkostladen Allerleihrauh in Echzell-Bingenheim und die Privatrösterei Philipp in Nidda aus.

Veröffentlicht am: 02. April 2025