Was Photovoltaikausbau den Kommunen bringt
Kommunales Energieeffizienzforum im Friedberger Kreishaus diskutiert kommunalen Beitrag von Photovoltaik zur Energiewende

Zum Forum eingeladen haben die Initiatoren der Veranstaltung, der Wetteraukreis, vertreten durch Erste Kreisbeigeordnete Birgit Weckler, die WiReg, vertreten durch Geschäftsführer Klaus Karger (links), und die OVAG, vertreten durch Vorstand Oswin Veith.
Wie können Kommunen auf ihrem Weg zur Energiewende das Potenzial der Photovoltaik bestmöglich nutzen und gleichzeitig die Akzeptanz in der Bevölkerung gewinnen? Mit diesem Thema beschäftigte sich das jüngste Kommunale Energieeffizienzforum von Wetteraukreis, OVAG und der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Regionalentwicklung im Wetteraukreis (WiReg). Vertreterinnen und Vertreter der Kreiskommunen nahmen im Friedberger Kreishaus viele interessante Anregungen aus verschiedenen Vorträgen mit.
„Deutschland hat es sich zum Ziel gesetzt, bis 2045 klimaneutral zu werden. Und wir haben hier bereits große Fortschritte gemacht. In diesem Jahr lag der Anteil erneuerbarer Energien deutschlandweit bei mehr als 50 Prozent der Bruttostromerzeugung. Auch im Wetteraukreis haben wir schon viel erreicht“, betonte die Erste Kreisbeigeordnete und Dezernentin für Regionalentwicklung, Birgit Weckler, bei der Eröffnung des Kommunalen Energieeffizienzforums. „Bei allen Neubauten und Dachsanierungen von Kreisimmobilien prüfen wir stets die Nutzung von Photovoltaik und setzen sie ein, wo immer es Sinn macht. Bis Juli dieses Jahres waren auf diese Weise bereits 46 Anlagen im Einsatz und sieben weitere in Bau“, teilte Birgit Weckler mit.
Allerdings sei es bis zum Ziel noch ein anspruchsvoller Weg, und für den Erfolg sei Teamarbeit gefragt. „Aus diesem Grund sind Sie hier“, sagte Weckler ans Publikum gewandt: „Sie haben als Kommunen die notwendigen Flächen für den Photovoltaikausbau und können als Kommunikatoren die Akzeptanz für einen Ausbau bei den Bürgerinnen und Bürgern steigern. Heute haben wir viel Fachkompetenz zu diesem Thema vor Ort und ich freue mich sehr, mit der heutigen Veranstaltung Impulse für die Fortsetzung der Energiewende auf kommunaler Ebene zu geben.“
Auch WiReg-Geschäftsführer Klaus Karger hob die besondere Bedeutung von Photovoltaik als wichtigen Baustein der künftigen Energieversorgung in seiner Begrüßung hervor. „Mit der Initiative ‚Wetterau macht´s effizient‘ ist es uns als Wirtschaftsförderung ein großes Anliegen, Wetterauer Kommunen und Unternehmen zu helfen, die nächste Stufe der Energieeffizienz zu erreichen. Auch bei den erneuerbaren Energien gibt es noch wirtschaftliche Ausbau-Potenziale“, so Karger. Er warb in diesem Zusammenhang für das Beratungsangebot der WiReg für ein kostenfreies Erstgespräch mit zertifizierten Energieberatern.
Nach den einleitenden Worten von Birgit Weckler und Klaus Karger sowie einem Hinweis von Christian Sperling, Fachbereichsleiter Regionalentwicklung und Umwelt beim Wetteraukreis, zum weiteren Verlauf der Veranstaltung stieg man in die Reihe der Vorträge ein.
Zunächst gab Dr. Harry Wirth vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme, zugeschaltet per Video, einen Überblick, welche Rolle Photovoltaikanlagen im Zusammenspiel mit Windenergieanlagen bei der Energiewende spielen können. Er sah großen Bedarf für den Ausbau der Solarenergie. Um die Ausbauziele rechtzeitig und mit einem möglichst geringen finanziellen Aufwand zu erreichen, sprach sich Wirth für einen Mix verfügbarer Anwendungsmöglichkeiten der Photovoltaik aus. Sogenannte integrierte Lösungen etwa an Fassaden, auf Parkplätzen oder in Kombination mit landwirtschaftlichen Kulturen könnten Synergieeffekte erzeugen und die Akzeptanz steigern. Stromerzeugung und -verbrauch ließen sich beispielsweise mit Batteriespeichern und senkrecht installierten PV-Modulen sowohl im Tages- als auch Jahresverlauf besser in Einklang bringen.
Carla Schönfelder präsentierte danach das Angebot des Bürgerforums Energiewende Hessen für die Kommunen. Mit Informationen, Beratung und Prozessbegleitung unterstützt es Städte und Gemeinden dabei, eine aktivere Rolle bei der Energiewende einzunehmen und damit potenziell stärker von den Chancen des Ausbaus erneuerbarer Energien zu profitieren. Ihr Plädoyer an die Kommunen lautete, eigene Flächenpotenziale kennenzulernen, um zu erkennen, wo sich Projekte mit der größten Akzeptanz und dem geringsten Konfliktpotenzial umsetzen lassen. Eine webbasierte Potenzialflächenanalyse des Landes Hessen gibt Kommunen hier einen ersten groben Überblick. Begleitet durch das Bürgerforum und unter Beteiligung lokaler Akteure lasse sich darauf aufbauend ein kommunenspezifischer Kriterienkatalog erarbeiten, um qualifizierte und flexible Abwägungen zu Projektanfragen zu treffen.
Achim Parbel von der Mittelhessischen Energiegenossenschaft (MiEG) und Thomas Bunzenthal von der OVAG stellten als nächste ihre Photovoltaik-Angebote für Kommunen vor. MiEG oder OVAG übernähmen in beiden Fällen das gesamte Dienstleistungsspektrum für Bau und Betrieb der Anlagen und trügen auch die Vorabfinanzierung der Projekte. Beide refinanzieren ihre Investitionen über den Verkauf des erzeugten und in den Liegenschaften genutzten Stroms an die Kommunen – was für diese zudem zu einem vergleichsweise günstigen Strompreis führe.
Zum Abschluss gaben Angelika Paar und Georg Angele vom Projektverbund von transform-R einen Überblick zum aktuellen Stand und konkreten Angeboten ihres Reallabors „Photovoltaik und Elektromobilität – Flächen mehrfach nutzen, Strom erzeugen und laden“. Bei der Erstellung von Machbarkeitsstudien und der Umsetzung konkreter Projekte wie einer Parkplatz-PV-Anlage in Königstein am Taunus gewinne man Erkenntnisse, die einer schnelleren Übertragung und Umsetzung ähnlicher Vorhaben in anderen Kommunen dienen sollen. Dafür erarbeitet man auch Hilfsmittel in Form einer Toolbox, die Kommunen im kommenden Jahr zum Testen und zur weiteren Optimierung nutzen können.
Weiterführende Information
Die Dokumentation zum Kommunalen Energieeffizienzforum 2025 finden Interessierte auf der Beteiligungsplattform des Wetteraukreises. Eine Fortsetzung der Veranstaltungsreihe ist auch für das neue Jahr geplant. Interessierte Kommunen und Unternehmen können sich online unter über das Angebot der Initiative informieren und Beratungen anfragen.