Bau-Turbo zündet auch im Wetteraukreis
Änderungen im Baugesetzbuch sollen Wohnungsbau beschleunigen / Wetterauer Bauämter sind vorbereitet

Freuen sich, dass der Wetteraukreis seine Kommunen bei der Umsetzung des Bau-Turbos tatkräftigt unterstützen kann: (von links) Christian Sperling, Leiter des Fachbereichs Regionalentwicklung und Umwelt, Erste Kreisbeigeordnete Birgit Weckler und Kreisbauamtsleiter Adrian Roskoni
Mehr Tempo beim Bauen durch kürzere Verfahren, weniger Bürokratie und Vorgaben: Der sogenannte Bau-Turbo zündet derzeit überall im Bundesgebiet. Kommunen sollen von Vereinfachungen im Baurecht profitieren, um schneller und kostengünstiger neuen Wohnraum schaffen zu können. Die Bauämter im Wetteraukreis haben sich bei einer Dialogveranstaltung im Kreishaus eingehend mit den Änderungen im Baurecht auf Bundes- und Landesebene beschäftigt.
„Bauen und Wohnen ist in den vergangenen Jahren ein großes gesamtgesellschaftliches Thema geworden. Überall fehlt Wohnraum. Das macht den Menschen und den Kommunen zu schaffen“, erläuterte Erste Kreisbeigeordnete und Baudezernentin Birgit Weckler. Bis 2050 wachse der Wetteraukreis nach den Prognosen des Hessischen Statistischen Landesamtes um 18,5 Prozent im Vergleich zum Jahr 2021: „Deshalb brauchen wir dringend mehr Flexibilität und die entsprechenden Instrumente, um den Bedarf an mehr Wohnraum zu decken und weiterhin unsere hohe Lebensqualität im Landkreis zu erhalten. Hierfür haben sowohl der Bund als auch Hessen das Baurecht entsprechend reformiert.“
Durch die neuen Möglichkeiten im sogenannten Bau-Turbo könnten Kommunen das Planen und Genehmigen von Wohnungen wesentlich beschleunigen. Das spare Zeit und Kosten, so Weckler: „Ziel der Dialogveranstaltung mit den Kommunen war es, die Bauämter im Wetteraukreis umfassend zu informieren und dabei zu unterstützen, die sich aus dem Bau-Turbo ergebenden Vereinfachungen zu nutzen.“ Ein weiteres wichtiges Element, um die Verfahren zusätzlich zu beschleunigen, sei der digitale Bauantrag, der im Wetteraukreis seit März verfügbar sei und gut angenommen werde, betonte Weckler: „Jede Vereinfachung trägt dazu bei, dass wir die angespannte Lage im Wohnungsbereich immer besser in den Griff bekommen.
In Deutschland fehlen derzeit laut Deutschem Mieterbund 1,4 Millionen Wohnungen. Gleichzeitig ist die Zahl der Neubauten auf dem niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren: 2025 wurden lediglich 206.000 Wohnungen fertiggestellt. Der Bundesrat hatte darum Ende des vergangenen Jahres den Bau-Turbo beschlossen, der den Verwaltungen mehr Spielraum bei der Vergabe von Baugenehmigungen für neuen Wohnraum geben soll. So kann eine Kommune beispielsweise dort, wo eigentlich nur Gewerbe ausgeschrieben war, Wohnraum genehmigen. Die Neuerungen in der Hessischen Bauordnung sehen etwa Erleichterungen beim nachträglichen Ausbau von Dachgeschossen oder Genehmigungsfreiheit bei Abrissvorhaben vor.