Auf dem Grat zwischen Realität und mystischer Erfahrung

Die Ausstellung der Künstlerin Vera Stein im Kreishaus ist eine Hommage an die Stadt Friedberg und ihre Umgebung / Landrat Jan Weckler eröffnet die Werkschau

Zwei Frauen und ein Mann stehen in einem größeren Raum vor mehreren Landschaftsgemälden.

Gemeinsam mit der Künstlerin Vera Stein (Mitte) und ihrer Kuratorin, der stellvertretenden Vorsitzenden des Kunstvereins Bad Nauheim Karin Merchel, eröffnet Landrat Jan Weckler die Ausstellung „Meine Welten – Mystifikation & Realität“ im Friedberger Kreishaus.

Sattgelbe Rapsfelder, Kirschbäume in voller Blüte, aber auch Altstadtgassen im schummrigen Mondlicht, die mystische Wesen bevölkern – es sind diese Gegensätze, die Vera Steins Werke auszeichnen. Zumindest diejenigen, die die Frankfurter Künstlerin mit starken Verbindungen nach Friedberg und Bad Nauheim nun im Kreishaus am Europaplatz ausstellt. Die Ausstellung mit dem Titel „Meine Welten – Mystifikation & Realität“ hat Landrat Jan Weckler jetzt gemeinsam mit der Künstlerin eröffnet. 

Als eine Hommage an Friedberg und seine Umgebung versteht Vera Stein ihre Ausstellung mit rund 60 Werken, die aktuell im Gebäude B der Kreisverwaltung am Europaplatz zu sehen ist. „Meine Werke sollen eine Einladung sein innezuhalten, den Moment zu erleben und das Schöne im Detail zu finden, das sonst oft übersehen wird. Dafür muss man nicht weit reisen, man findet es hier vor Ort, in Friedberg und seiner Umgebung“, erklärt Vera Stein. Und in der Tat, ihre Werke bilden die Ockstädter Kirschblüte ebenso ab wie die markanten, gelb-wogenden Rapsfelder der Region oder einen verwunschenen Teich bei Ilbenstadt. Daneben findet sich in der Ausstellung aber auch eine mystisch-irreale Seite. Hier fliegen Hexen über das nächtliche Friedberg und tummeln sich Chimären und Gargoyle in den Altstadtgassen, alles stimmungsbetont in vorwiegend lila Farbtönen festgehalten.

Diesen Kontrast zwischen realen Motiven und mystischen Einflüssen greift auch Landrat Jan Weckler in seinen einleitenden Worten auf: „In Ihren Gemälden bilden Sie ausdrucksstark und mit kraftvollen Farben die Region ab. Gleichzeitig übersehen Sie dabei nicht den Blick für die vielen Details. Das zeigt sich in Ihren Landschaftsbildern ebenso, wie in Ihren Werken der Friedberger Altstadt mit ihren Gesimsen, Hauserkern und Fassaden. Hier kommt auch Ihr im Ausstellungstitel genannter mystischer Aspekt zum Tragen. Sie hauchen den Wasserspeiern und Gargoylen der Stadtkirche Leben ein und lassen sie durch die Straßen wandern. In gewisser Weise treten Sie damit in die Tradition der mittelalterlichen Kirchenbaumeister, die ihre Werke und Bilder sprechen ließen in einer Zeit, als die wenigsten lesen und schreiben konnten.“ Vera Steins Werke strahlten eine Lebendigkeit aus, regten zum Träumen an und beflügelten die Vorstellungskraft, so Jan Weckler, der der Künstlerin für die Gelegenheit dankt, ihre Werke im Kreishaus auszustellen. 

Der Landrat verweist in diesem Zusammenhang auch auf den gegenseitigen Nutzen, den Ausstellungen in der Kreisverwaltung haben. „Die Werke bereichern natürlich das Kreishaus. Aber auch die Künstlerinnen und Künstler haben etwas davon: Mit dieser Präsentation hier am Europaplatz erzielen sie eine viel größere Reichweite. Denn neben dem kunstinteressierten Publikum, das gezielt Ausstellungen besucht, sehen hier auch die Angestellten der Kreisverwaltung sowie Bürgerinnen und Bürger, die mit einem Anliegen zum Europaplatz kommen, die gezeigten Werke. Und so kann diese unverhoffte Konfrontation beim einen oder anderen zu einer vertieften Auseinandersetzung mit den Bildern und ihren Inhalten führen.“

Freude über die Chance zur Ausstellung und Lob für die Künstlerin äußert auch Karin Merchel, Zweite Vorsitzende der Kunstvereins Bad Nauheim und Kuratorin der Werkschau Vera Steins. „Mit den jetzt gezeigten Bildern möchte Vera Stein ihre besondere Beziehung zur Region verdeutlichen und ihr etwas zurückgeben. Ihre Werke, die vielfach in Freilichtmalerei entstanden sind, zeugen von der genauen Beobachtungsgabe der Künstlerin, die sie dann in einer ganz individuellen Bildsprache umsetzt.“  

Vera Stein kam im Jahr 1993 mit ihrer Familie aus Russland nach Deutschland und lebt seit dieser Zeit in Frankfurt am Main. Zunächst arbeitete sie als Webdesignerin bei einer Zeitungs- und Zeitschriftenproduktion, bevor sie sich im Jahr 2018 als freischaffende Künstlerin selbstständig machte. Sie ist Mitglied der Kunstvereine in Frankfurt, Friedberg und Bad Nauheim und leitet zudem den Frankfurter Kunstverein „Die Palette“. Schwerpunkte ihrer Arbeiten bilden die Landschaftsmalerei, Stillleben wie auch figurative Szenen aus dem Alltag. Sie experimentiert in ihren Arbeiten sowohl mit Techniken als auch mit Materialien, was von klassischer Ölmalerei bis zu Mischtechniken mit verschiedenen Werkstoffen reicht. Aktuell bildet sie sich im Bereich Akt- und Porträtmalerei am Frankfurter Städel weiter. 

Öffnungszeiten der Ausstellung

Die Ausstellung „Meine Welten – Mystifikation & Realität“ ist bis Montag, 29. Juni 2026, im Friedberger Kreishaus, Europaplatz, Gebäude B, im Foyer zu sehen, und zwar zu den folgenden Öffnungszeiten: montags bis mittwochs, 7.30 Uhr bis 16 Uhr, donnerstags, 7.30 Uhr bis 18 Uhr, und freitags, 7.30 Uhr bis 12.30 Uhr.

Veröffentlicht am: 09. April 2026