Frühling in den Wetterauer Auen: Start in die Wiesensaison

Mit dem Frühling kehren auch die Wiesenvögel in die Auen des Wetteraukreises zurück. Arten wie der Kiebitz sind auf störungsarme Wiesen und eine angepasste Bewirtschaftung angewiesen. Foto: Karl-Hermann Heinz
Mit dem Frühling beginnt im Wetteraukreis wieder die arbeitsreiche Zeit auf den Wiesen und Weiden. Während viele Wiesenvögel in den Auen ihre Brutplätze beziehen, starten Landwirtinnen und Landwirte mit wichtigen Pflegemaßnahmen, darunter auch die Bekämpfung der giftigen Herbstzeitlosen.
Mit den länger werdenden Tagen und den ersten warmen Sonnenstrahlen beginnt im April auch im Wetteraukreis wieder die Saison auf den Wiesen und Weiden. Die Auenlandschaften der Region erwachen nun sichtbar zum Leben: Gräser wachsen, Pflanzen treiben aus und für viele Tierarten beginnt eine besonders sensible Zeit.
Vor allem die Feuchtwiesen der Auen sind ein bedeutender Lebensraum für Wiesenvögel. Arten wie Kiebitz, Bekassine oder andere typische Wiesenbrüter finden hier noch geeignete Brut- und Nahrungsflächen. Diese einst weit verbreiteten und häufigen Vögel haben heute ihre landesweit größten und zum Teil einzigen Vorkommen in den Schutzgebieten der Wetterau. Besonders gut sind sie zum Beispiel im Naturschutzgebiet Bingenheimer Ried zu erleben. Damit diese Arten erfolgreich brüten können, sind störungsarme Wiesenflächen und eine angepasste Bewirtschaftung besonders wichtig.
Herbstzeitlose: Herausforderung für die Landwirtschaft
Gleichzeitig beginnt für viele landwirtschaftliche Betriebe eine arbeitsreiche Phase. Denn mit dem Austrieb der Vegetation wird auch eine Pflanze wieder sichtbar, die für die Landwirtschaft große Herausforderungen mit sich bringt: die Herbstzeitlose. Die stark giftige Pflanze kann sowohl im Heu als auch auf der Weide für Nutztiere gefährlich werden. Gelangt sie ins Futter oder wird von Weidetieren aufgenommen, kann dies schwere Vergiftungen verursachen.
Viele Landwirtinnen und Landwirte im Wetteraukreis beginnen daher nun mit der gezielten Bekämpfung der Herbstzeitlosenbestände. Der Landschaftspflegeverband Naturschutzfonds Wetterau e.V. unterstützt hierbei, unter anderem durch Beratung zur standortangepassten Bekämpfung und bei der Koordination der Maßnahmen innerhalb der Schutzgebiete. Ziel ist es, die notwendige Pflege der Flächen mit dem Schutz sensibler Arten bestmöglich zu vereinbaren.
Besonders berücksichtigt werden dabei mögliche Brutplätze von Wiesenvögeln sowie wertvolle Pflanzenbestände wie Orchideenvorkommen. Durch die abgestimmte Vorgehensweise sollen Störungen auf ein Minimum reduziert und gleichzeitig die landwirtschaftliche Nutzung der Flächen langfristig gesichert werden.
Ehrenamtliches Engagement als wichtige Unterstützung
Eine wichtige Rolle spielt dabei auch das Engagement ehrenamtlicher Naturschützerinnen und Naturschützer der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON). Sie kontrollieren im Frühjahr zahlreiche Wiesenflächen, dokumentieren sensible Bereiche und stehen im engen Austausch mit dem Naturschutzfonds und den Behörden. Auf diese Weise können mögliche Konflikte frühzeitig erkannt und Risiken für Wiesenvögel, seltene Pflanzenarten oder wertvolle Lebensräume minimiert werden.
„Gerade im Frühjahr zeigt sich, wie eng Nutzung und Naturschutz auf den Wiesen zusammenhängen. Umso wichtiger ist es, Maßnahmen wie die Bekämpfung der Herbstzeitlosen und den Schutz sensibler Arten gut aufeinander abzustimmen“, betont Landrat Jan Weckler, Vorsitzender des Naturschutzfonds Wetterau e.V. So können die artenreichen Wiesenlandschaften im Wetteraukreis erhalten und in ihrer Vielfalt langfristig gesichert werden.
Die Grünlandberatung ist Teil des Projekts „Vorbereitung, Begleitung und Evaluation von Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege durch den Naturschutzfonds Wetterau e.V.“ und wird durch das Land Hessen im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Landschaftspflegeverbänden gefördert. Bewilligungsstelle ist das Regierungspräsidium Darmstadt. Die Förderung trägt insbesondere zur Umsetzung der Ziele der Hessischen Biodiversitätsstrategie bei. Weitere Informationen finden Interessierte auf der Homepage des Naturschutzfonds Wetterau e.V.