Frühzeitige Prävention und individuellere Beratungsangebote

Kreisbeigeordnete Marion Götz und die Leiterin des Zentrums für Jugendberatung und Suchthilfe, Beatrix Falkenstein, stellen Suchtbericht 2025 für den Kreis vor

Zwei Frauen stehen vor der Eingangstür eines Gebäudes, links neben ihnen hängen mehrere Firmenschilder an der Wand. Eine der Frauen hält eine Broschüre in Händen.

Die scheidende Leiterin des Zentrums für Jugendberatung und Suchthilfe, Beatrix Falkenstein (links), übergibt Kreisbeigeordneter Marion Götz den Jahresbericht des Zentrums für das vergangene Jahr.

Erneut hat das Zentrum für Jugendberatung und Suchthilfe für den Wetteraukreis (ZJS) als Teil des Beratungsangebots des Jugendberatung und Jugendhilfe e.V. seinen Jahresbericht vorgelegt – dieses Mal für 2025. Die Entwicklung bei den Zahlen legt nahe, dass im Aufgabenschwerpunkt Suchtberatung ein Paradigmenwechsel stattgefunden hat. Und das Thema Prävention bleibt weiter wichtig. 

„Suchtberatung und vor allem Suchtprävention stellen wichtige Elemente der Gesundheitsvorsorge dar. Hier leistet das Zentrum für Jugendberatung und Suchthilfe in Friedberg im Auftrag des Wetteraukreises einen wichtigen Beitrag, den der Kreis gerne finanziell unterstützt. Besonders die Präventionsarbeit, mit der das ZJS bereits in den Kindertagesstätten beginnt und die sie in den Schulen fortsetzt, bildet einen wichtigen Baustein im Schutz vor Suchtgefahren“, betont Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin Marion Götz zur Vorstellung des neuen Berichts. 

Betrachtet man sich die absoluten Zahlen, so ist im Vergleich zum Vorjahr ein leichter Rückgang derjenigen zu verzeichnen, die eine Beratung beim ZJS suchten, und zwar von 930 auf 901 Personen. Diese verteilen sich auf 487 Klientinnen und Klienten in Friedberg, 302 in Büdingen und Nidda sowie 112 in Bad Vilbel und Karben. Die Mehrzahl von ihnen sind Männer (525). Den höchsten Anteil stoffgebundener Beratungen nahmen erneut die Themen Cannabis und Alkohol ein, während Bereiche wie Heroin, Kokain, Opiate oder Ecstasy stark rückläufig sind. Auffällig beim Beratungsangebot war eine starke Nachfrage Angehöriger. Insgesamt 277 Angehörige suchtkranker Menschen nahmen entsprechende Leistungen in Anspruch. 

„Zwar lässt sich bei der Suchtberatung im Vergleich zum Vorjahr ein leichter Rückgang der Klientinnen- und Klientenzahlen ausmachen, dafür nahm aber die Zahl der geführten Gespräche zu. Zudem müssen die Beratungsgespräche künftig viel individueller und personenzentrierter geführt werden. Hintergrund ist ein massiver Anstieg der Angehörigenberatung sowie die Zahl der Personen, die neben einer Sucht auch Einschränkungen der psychischen Gesundheit aufweisen. Gerade auch suchtauslösende Faktoren sollen bei der Beratung verstärkt in den Fokus rücken“, erklärt ZJS-Leiterin Beatrix Falkenstein mit Blick auf den neuen Suchtbericht. So will man nun die Einflüsse von Stressbewältigung als Auslöser für Süchte, die bestehenden Familiensysteme und Arbeitsbedingungen intensiver bei der Analyse der jeweiligen Suchterkrankung betrachten.

Einen großen Raum im Angebot des Zentrums für Jugendberatung und Suchthilfe nimmt auch die Präventionsarbeit ein, für die der Mitarbeiter der Fachstelle Suchtprävention im Wetteraukreis, die zum ZJS gehört, eine ganze Beratungskette von Kitas bis hin zu Ausbildungsplätzen etabliert hat. Im Rahmen der sogenannten KIKS UP Akademie wurden entsprechende Programme entwickelt: KLASSE KITA, KLASSE KLASSE und KLASSE LERNORT. Mittlerweile ist sogar ein neues U3-Konzept unter dem Titel KLASSE KRIPPE in der Erprobung. Als Kooperationspartner der KIKS UP Akademie sei man damit hessenweit erster Anbieter einer kompletten Präventionskette. Arbeitsschwerpunkte sind die Stärkung schützender Faktoren sowie die Förderung positiver Ressourcen und Lebenskompetenzen.  

Im vergangenen Jahr erreichte das ZJS mit seiner Präventionsarbeit 7.702 Schülerinnen und Schüler in 312 Klassen. Mit dem Projekt „Über Drogen reden“ besuchten die Beraterinnen und Berater 162 Klassen. Einen besonderen Schwerpunkt legten sie dabei auch auf legale Suchtmittel wie Nikotin und Alkohol, das teillegalisierte Cannabis sowie Computersucht und übermäßige Smartphone-Nutzung. In Fragen der Gewalt-Prävention nahm die Nachfrage nach Angeboten zu den Bereichen Mobbing und im Speziellen Cyber-Mobbing stark zu.

Veröffentlicht am: 27. April 2026