Kommunikation, Kooperation und Kompromisse
Seit 30 Jahren leitet Eva Langenberg die Untere Naturschutzbehörde des Wetteraukreises

30 Jahre im Dienst des Naturschutzes: Auf dieses besondere Jubiläum blickt die Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde des Wetteraukreises, Eva Langenberg, in diesen Tagen zurück. Und mit dem Dank der Kreisspitze sowie Kolleginnen und Kollegen gibt es natürlich auch einen Blumenstrauß in ihren Lieblingsfarben lila, rosa und pink.
Auch nach dreißig Jahren kommt Eva Langenberg noch jeden Tag mit Freude ins Büro: „Es ist sehr sinnstiftend für mich, die Arbeitsbedingungen für mein Team so zu gestalten, dass es sich jeden Tag für unseren Landkreis engagieren kann. Denn der Wetteraukreis ist eine Schatzkammer des Artenschutzes und besonders der Ornithologie in Hessen: Die Kraniche rasten in unseren Naturschutzgebieten zwischen. Und selbst die Kiebitze, die in ihrem Bestand gefährdet sind, fühlen sich bei uns sehr wohl.“ Seit dreißig Jahren leitet Eva Langenberg die Untere Naturschutzbehörde des Wetteraukreises. Die 61-Jährige ist zusammen mit ihrem Team dafür verantwortlich, dass die einzigartigen Lebensräume und deren Arten erhalten und weiterentwickelt werden.
Aufgewachsen ist Eva Langenberg in Hannoversch Münden. Zwischen Reinhardswald und Kaufunger Wald entstand die Liebe zur Natur. Langenberg studierte Forstwissenschaft in Göttingen: „Der Studiengang war damals extrem männerlastig. Nur fünf Prozent aller Absolventen waren Frauen.“ Sie beschreibt die Studienzeit als „herausfordernd“. Heute kann sie darüber lachen. Nicht zuletzt kamen ihr diese Erfahrungen im Berufsleben auch zugute. Nach Stationen in der Sächsischen sowie der Hessischen Forstverwaltung bewarb sie sich 1996 auf die Leitung der Unteren Naturschutzbehörde des Wetteraukreises und trat am 1. April ihren Dienst an. Auch hier traf die damals gerade einmal 31-Jährige auf ein Männerteam. „Heute sind wir fast nur Frauen, so sehr hat sich das gewandelt.“
Gute Kommunikation ist alles
Die Wetterau ist die Kornkammer Hessens; die Landwirte darum wichtige Kooperationspartner bei der Gestaltung der Auen als Hauptlebensräume der Wiesenvögel. Der Naturschutz, sagt sie, sei generell kein einfaches Unterfangen: „Es gibt viel Juristisches, das wir beachten müssen, viele Mitspieler, die wir mit einbeziehen müssen und viele Befindlichkeiten, die wir berücksichtigen müssen. Bei uns gibt es aber ein sehr gutes Miteinander von amtlichem und ehrenamtlichem Naturschutz, um das wir oft beneidet werden. Es braucht alle unsere Arbeit und alle unsere Hände, um unsere gemeinsamen Ziele zu erreichen.“ Auch mit den Vertretern der Kommunen im Wetteraukreis und der Forstwirtschaft sei es immer gelungen, gute, tragfähige Kompromisse zu finden.
Erfolge, Misserfolge und Herausforderungen
„Nur so konnten wir beispielhafte Erfolge vor allem im Artenschutz erzielen. Besonders anschaulich für jedermann ist dabei der Weißstorch. Weit über 200 Brutpaare gibt es im Kreisgebiet. 1980 bis 1992 gab es kein einziges Paar“, freut sich Langenberg. Naturschutz habe seinen festen Stellenwert im öffentlichen Leben gefunden. Trotzdem sieht sie in den aktuellen Entwicklungen in ihrem Gebiet auch große Herausforderungen: „Unsere Welt ist ohne die Digitalisierung nicht mehr vorstellbar. Aber das bedeutet auch, dass Rechenzentren, Umspannwerke und Batteriespeicherwerke Platz benötigen, den wir der Natur nehmen müssen. Wenn wir so leben wollen, sind unsere Flächen irgendwann erschöpft und eine zweite Etage, auf die wir uns oder irgendwelche Dinge verlagern könnten, hat diese Erde nicht“, macht sie sich Sorgen.
Schutz der der Natur und der menschlichen Seele
Und dann gibt es auch mal Tage, an denen der Versuch einer guten Kommunikation versagt: „Es gab schon richtige Shitstorms auf Facebook oder in anderen sozialen Netzwerken, die mein Team und mich direkt betroffen haben. Oft passiert das, ohne dass mit uns vorher überhaupt ein Wort gewechselt wurde. Ein Gespräch hätte gezeigt, dass wir zu einem Kompromiss bereit gewesen wären.“ Man brauche Resilienz, wenn man im Bereich Naturschutz arbeite, sagt Langenberg. In solchen Momenten ist es der Fachdienstleiterin besonders wichtig, ihr Team zu stärken.
Eva Langenberg ist sich aber auch nach dreißig Jahren sicher, dass sie bis zum Ruhestand weiterhin jeden Tag mit Freude zur Arbeit kommen wird: „Man verbringt so viel Zeit seines Lebens bei der Arbeit, dass man kostbare Lebenszeit verschwenden würde, wenn die Arbeit eines Tages keine Freude mehr machen würde. Das Schöne am Naturschutz und der Landschaftspflege in unserem Landkreis sind die vielen Menschen, die sich dafür nicht nur beruflich, sondern aus Berufung einsetzen.“