Mehr Schutz für Schafe, Ziegen und Natur

Manuel Jüngling und seine Ziegen.

Manuel Jüngling und seine Ziegen. (Bildquelle: Naturschutzfonds Wetteraukreis e.V.)

Die hohe Artenvielfalt im Naturschutzgebiet Kaolingrube in Ortenberg ist auf eine regelmäßige Pflege durch Beweidung angewiesen. Die Errichtung eines Festzaunes erleichtert nun die Arbeit des Schäfers. Damit Besucher/innen die Schönheit des Naturschutzgebietes schonend für die ansässigen Arten erleben können, hat der Landschaftspflegeverbandes Naturschutzfonds Wetterau e.V. eine Ruhebank aufgestellt.

Die Kaolingrube in Ortenberg wurde 2005 als Naturschutzgebiet ausgewiesen und kann auf eine lange Geschichte als Abbaugebiet für Kaolin, eine weiße Tonerde, zurückblicken. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde der Abbau bereits vor 15 Jahren eingestellt. Durch naturschutzfachliches Engagement hat sich inzwischen ein artenreicher Standort mit einem ca. 500 Quadratmetergroßen Tümpel am ehemaligen Grubenboden entwickelt. Zahlreiche Libellen und Amphibien finden am Gewässer einen Lebensraum und auch die Zauneidechse ist ein häufig gesehener Gast. Die Gelbbauchunke, eine seltene Amphibienart, wurde nach Ausweisung als Naturschutzgebiet wieder in der Grube angesiedelt.

Um die vorhandene Artenvielfalt zu erhalten und die Lebensräume für Insekten und Amphibien zu sichern, ist eine regelmäßige Nutzung enorm wichtig. Hier kommen die kleinen Wiederkäuer von Manuel Jüngling ins Spiel. Die gemeinsame Beweidung mit Schafen und Ziegen eignet sich für diesen Standort besonders gut. Ziegen machen auch vor holzigem Aufwuchs keinen Halt und drängen so aufkommende Sträucher und Gehölze zurück. Pflegemaßnahmen nach der Weidesaison werden vom Schäfer sowie der NABU Gruppe Ortenberg übernommen. Jüngling hält Schafe und Ziegen im Nebenerwerb und beweidet unter anderem Naturschutzgebiete in Ortenberg und Bergheim.

Um die Beweidung langfristig sicherstellen zu können, hat der Landschaftspflegeverband Naturschutzfonds Wetterau e.V. über Fördermittel einen Festzaun finanziert. Da das Gelände schwer zugänglich ist, war das Einzäunen bisher mit einem unverhältnismäßig hohen Arbeitsaufwand für Manuel Jüngling verbunden. Das unerlaubte Eindringen von Besucher/innen auf die Fläche hat außerdem zu Problemen geführt und soll mit dem festinstallierten Zaun verhindert werden. „Hundehalterinnen und -halter sollten ihre Tiere in der Nähe der Wiederkäuer anleinen, um diese nicht zu beunruhigen“, appelliert Landrat Jan Weckler, Vorsitzender des Naturschutzfonds Wetterau e.V. an die Rücksichtnahme der Bürger/innen.

Um die Besonderheiten der Kaolingrube trotzdem für die Allgemeinheit erfahrbar zu machen, hat der Landschaftspflegeverband dort eine Ruhebank, zusammen mit einem Informationsschild aufgestellt. Mit einem wunderschönen Blick in das Naturschutzgebiet können sich Besucher/innen über den Standort, die Rolle der Schafe und die vorkommenden Insekten und Amphibien informieren. Auf der Seite des Naturschutzfonds Wetteraukreis sind die Standorte weiterer Schilder und Ruhebänke angegeben.

Seit Jahren unterstützt der Naturschutzfonds Wetterau e.V. die Schäferinnen und Schäfer im Wetteraukreis durch unterschiedliche Projekte und Maßnahmen. Im Rahmen der neuen Richtlinie des Landes Hessen zur Förderung von Landschaftspflegeverbänden wurden nun Fördergelder akquiriert, um die Beweidung im Naturschutzgebiet Ortenberg weiter sicherstellen zu können.

veröffentlicht am: 29. Dezember 2021