Musterstimmzettel für die Kommunalwahl

Am 15.03.2026 findet die Wahl des Kreistages des Wetteraukreises statt. 
Damit sich die Wählerinnen und Wähler zur Vorbereitung ihrer Wahlentscheidung bereits vor dem Wahltag mit dem amtlichen Stimmzettel befassen können, wird hier der Musterstimmzettel (nicht barrierefrei) für diese Wahl veröffentlicht.

Wetteraukreis trauert um ehemaligen Landrat Rolf Gnadl

Der Wetteraukreis trauert um seinen ehemaligen Landrat Rolf Gnadl. Archivfoto: Wetteraukreis

Der Wetteraukreis trauert um seinen ehemaligen Landrat Rolf Gnadl, der in der vergangenen Woche im Alter von 72 Jahren verstorben ist. Von 1992 bis 2008 stand der Sozialdemokrat an der Spitze des Kreises und prägte in dieser Zeit maßgeblich seine Entwicklung. Mit seinem Tod verliert die Region einen führenden Kommunalpolitiker, der über Jahrzehnte mit außerordentlichem Engagement Verantwortung für die Menschen im Kreis übernahm.

Rolf Gnadl wurde am 17. Mai 1953 in München als Zweitältestes von acht Kindern geboren. Im Alter von acht Jahren zog er mit seiner Familie nach Rodheim vor der Höhe in die Wetterau, die fortan zu seiner Heimat wurde. Nach der Mittleren Reife an der Adolf-Reichwein-Schule in Friedberg absolvierte er eine Ausbildung beim Wetteraukreis und studierte berufsbegleitend an der Verwaltungsakademie Mainz.

Sein politischer Weg begann früh: 1973 trat Gnadl in die SPD ein. Bereits 1979 wurde er zum Bürgermeister der Gemeinde Glauburg gewählt und war damit der jüngste Bürgermeister Hessens. Dreizehn Jahre lang gestaltete er die Entwicklung der Gemeinde. Seit 1983 gehörte er dem Kreistag des Wetteraukreises an, von 1985 – 1988 war er Fraktionsvorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion. 1992 wurde er schließlich zum Landrat gewählt – ein Amt, das er bis 2008 innehatte.

In seiner Amtszeit setzte Rolf Gnadl wichtige Akzente für die Entwicklung des Wetteraukreises. Besonders am Herzen lagen ihm die Strukturpolitik, Chancengerechtigkeit und Einsatz für die Demokratie. Mit großem Engagement setzte er sich für eine vielfältige und leistungsfähige Schullandschaft ein, die jungen Menschen unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem Wohnort möglichst viele Bildungswege eröffnet. So förderte er unter anderem mit Überzeugung die Initiative zur Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe an der Gesamtschule Konradsdorf. 

Ebenso engagierte sich Rolf Gnadl mit hoher Innovationsfreude und Gestaltungskraft für den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, insbesondere auch in den ländlichen Regionen der Wetterau. Die Integration des freigestellten Schülerverkehrs, die Gründung der Wetterauer Verkehrsgesellschaft, später der Verkehrsgesellschaft Oberhessen und die stabile Finanzierung durch einen Steuerquerverbund mit dem ovvg-Konzern waren die Wege dorthin. Die Stärkung der Niddertal-Bahn ist ganz wesentlich auf Initiativen von Rolf Gnadl zurückzuführen. Im Radverkehr sorgte er für eine kreisweit einheitliche Beschilderung auch auf bestehenden Wirtschaftswegen und brachte durch die Erarbeitung eines Radwegekonzeptes den Wetteraukreises in eine Vorreiterrolle auf diesem Gebiet. 

Einen aktiven Beitrag für Frieden und Völkerverständigung zu leisten und das gerade wiedervereinigte Deutschland in einem gemeinsamen Haus Europa zu integrieren, war sein erklärtes Ziel. Der Weg dahin führte für ihn unter anderem über aktive Kreispartnerschaften mit dem Landkreis Bad Langensalza, später Unstrut-Hainich-Kreis, in Thüringen, mit dem Kreis Bruntal in der Tschechischen Republik, dem nordenglischen High-Peak-District sowie Kontakte und Hilfslieferungen in den litauischen Kreis Ukmerke.

Ein weiteres wichtiges Anliegen war Rolf Gnadl die Gleichberechtigung von Frauen. Das Frauenamt des Wetteraukreises stärkte er nachhaltig und setzte sich konsequent für bessere Chancen von Frauen in Verwaltung und Gesellschaft ein. „Erst wenn wir im Wetteraukreis einen Anteil der weiblichen Führungskräfte von 50 Prozent haben, kann von einem zufriedenstellenden Zustand gesprochen werden“, formulierte er einmal seinen Anspruch, der inzwischen Realität ist. 

Die Kreisverwaltung wurde unter Landrat Rolf Gnadl grundlegend modernisiert; Organisations- und Personalentwicklung waren für ihn zentrale Schlüsseldisziplinen einer Kreisverwaltung als leistungsfähiges und kundenorientiertes Dienstleistungsunternehmen. 

Über die Kreisgrenzen hinaus wirkte Landrat Rolf Gnadl auch als wichtiger Akteur in der Region, unter anderem als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Rhein-Main-Verkehrsverbundes, Aufsichtsratsvorsitzender der Regionalpark Rhein-Main-gGmbH, Präsidiumsmitglied des Hessischen Landkreistags sowie durch namhafte Beiträge in der Diskussion um die Bündelung der Verwaltungsebenen in der Rhein-Main-Region. 

Rolf Gnadl war auch ein kunstsinniger Mensch. Kunst und Kultur erfahrbar zu machen für die Menschen, die die Kreisverwaltung besuchen, sie mit Kunstwerken zu konfrontieren, war ihm wichtig. Die Reihe ‚Galerie im Kreishaus‘, aber auch eine Vielzahl von Ausstellungen und die Ausstattung des gesamten Hauses mit Kunstwerken legen davon Zeugnis ab. 

Mit Herzblut, Weitblick und Erfolg setzte sich Rolf Gnadl zudem gemeinsam mit den örtlichen Initiatoren dafür ein, dass die Statue und das Grab des Keltenfürsten - von der Fachwelt als Sensationsfund gefeiert – seit 2011 in einem eigens hierfür neu errichteten Landesmuseum an ihrem Fundort am Glauberg ausgestellt werden. 

Im Jahr 2008 wechselte Rolf Gnadl zu den Oberhessischen Versorgungsbetrieben (OVAG), wo er bis zum Jahr 2017 als Vorstand für die Region Oberhessen Verantwortung trug.

„Rolf Gnadl war ein leidenschaftlicher Kommunalpolitiker, der seine Überzeugungen mit Nachdruck vertrat und sich nicht scheute, Position zu beziehen. Zugleich verstand er es, über Parteigrenzen hinweg Mehrheiten zu gewinnen sowie die Menschen und unterschiedliche Positionen für wichtige Ziele zusammenzuführen. Rolf Gnadl hat den Wetteraukreis über eineinhalb Jahrzehnte hinweg geprägt. Sein Wirken hat den Kreis nachhaltig verändert und Spuren hinterlassen, die bis heute wirken und sichtbar sind“, würdigt Landrat Jan Weckler seinen Vorgänger. „Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei Rolf Gnadls Familie. Der Wetteraukreis wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.“

In der Kreisverwaltung am Europaplatz in Friedberg wird ab Mittwoch, 11.03.2026, im Foyer (Haus B), ein Kondolenzbuch ausliegen. Hier können sich Bürgerinnen und Bürger sowie die Mitarbeitenden der Kreisverwaltung eintragen und Abschied nehmen.

Veröffentlicht am: 09. März 2026